Mai 8, 2008
Ich bin kein grosser Fussballfan. Der Versuch, mir auf die Euro hin Fröhlichkeit zu diktieren, ist gehörig fehlgeschlagen. Die Initiative “Österreich zeigt Rückgrat” unseres Mitgastgebers zeugt immerhin von Anstand und Selbstbewusstsein, welche sich die Österreicher bewahrt haben. Anstand deshalb, weil es sich nicht gehört, Menschen mit schlechtem Fussball zu belästigen. Selbstbewusstsein deshalb, weil sie sich bewusst sind, das sie selbst keinen guten Fussball spielen, und ihr Platz um der Qualität wegen doch an eine bessere Mannschaft, wie bspw. England, vergeben werden sollte. Dieser Anstand fehlt den Schweizern völlig. Als hätten wir den Schnee in den Bergen aus Kolumbien importiert, ereifert man sich hier in Gesprächen über Halbfinalchancen und entsprechende Taktiken, welche die Nationalelf dorthin bringen würden. Verlust jeglichen Sinns für die Realität. So bleibt nur zu hoffen, das es kurz und schmerzlos geschieht, so dass sich später niemand mehr dran erinnert, und ich mir an den Flughäfen nicht noch Jahre später ins Gesicht gelacht wird, wenn ich meinen Schweizer Pass hervorkrame.
Aber nicht überall sind die Emotionen angesichts der kommenden Europameisterschaft so abgehoben, wie bei den Fans. Die Schweizer Wirtschaft zumindest bleibt eiskalt. Erinnert sich noch jemand an die Legende aus der USA, in welcher ein Schüler am “Cola-Day” seiner Lehranstalt mit einem Pepsi-T-Shirt aufkreuzt und darauf hin von der Schule verwiesen wird? Ja, bis heute habe ich darüber nur müde lächeln können. Die spinnen, die Amis. In Good Old Europe kein Thema, schon gar nicht in der Schweiz. Weit gefehlt. Zwar trifft es hier nicht die Schulen, aber immerhin die Fanzonen, oder mit anderen Worten den öffentlichen Raum. Details nachzulesen gibt es zum Beispiel hier, hier oder hier. Das wichtigste in Kürze: In den Fanzonen in Zürich dürfen Fans keine Kleidung mit Aufdrucken von Logos und Labels von Nicht-Sponsoren tragen. Ansonsten werden sie von der Fanzone verwiesen. Zwar wurde die anfangs krass anmutende Meldung mittlerweilen etwas entschärft: einzelne Fans würden wegen einem “falschen” Baseballcap noch nicht aus der Fanzone geworfen. Erst wenn gemäss Zürichs Euro-Delegiertem Daniel Rupf “Dutzende Leute das Logo eines Nicht-Sponsors tragen, würde man einschreiten”. Dies geschieht, um sogenanntem Ambush-Marketing vorzubeugen. Ich sehe schon, wie Headhunter auf den Dächern sitzen und mit Ferngläsern und Funkgeräten bewaffnet fleissig Logos zählen und Jagd machen auf die abtrünnigen Freidenker. Was aber anscheinend niemand bedacht hat: Würde tatsächlich ein Nicht-Sponsor mit einer solchen Aktion Aufmerksamkeit erregen wollen, so ist sie ihm dank dieser Vorsichtsmassnahme nun auch gewiss. Denn wenn anscheinend harmlose Leute von schwarzen Männern in Anzügen aus der Masse gezerrt werden, bleibt das bestimmt nicht unbemerkt. Dennoch eine wahrscheinlich sehr geistreiche Idee, deren Sinn sich aber zur Zeit nur dem göttlichen Genie eines Marketingverantwortlichen erschliessen will. Ich muss da glücklicherweise passen, denn ich schwöre lieber auf Teufels Logik.
Keine Kommentare » |
Leben, Medien, Sport, Verdrehtes, Wirtschaft |
Permalink
Verfasst von lebedeph
Mai 6, 2008
Kaum treffen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen bei uns ein, habe ich schon wieder genug von heissen Sommertagen. In der Stadt ist es kaum auszuhalten: Die Hitze wirkt wie ein gewaltiger Verstärker, welcher das olfaktorische Orchester der Metropole zu einem wahrlich umwerfenden Geruchskanon kanalisiert. Morgens im Zug tränen mir die Augen von den ganzen Deosprays und Parfums, die sich ein jeder, und insbesondere mein Sitznachbar, in Unmengen unter die Achseln gesprayt hat. Am Abend wartet die Bundesbahn mit einer exquisiten Duftmischung aus Schweiss, McDonalds und Alkoholausdünstungen auf, mit welcher man den Belzebub selbst aus der Hölle jagen könnte. In der Stadt selbst trocknen und dampfen undefinierbare Flüssigkeiten in allen Farben und von unterschiedlichen Konsistenzen vor sich hin. Und wagt man bei einem abendlichen Lauf tatsächlich die Flucht ins Grüne, liegt dort bestimmt schon der Dung auf den Feldern, dessen Gestank die Geruchsrezeptoren entgültig wegätzt. Und so erwische ich mich schon an den ersten Sonnentagen dabei, wie ich mir einen wohlriechenden Regentag herbei wünsche, welcher die Schweissdrüsen entspannt, die Strassen spült und die Alkoholiker in ihren Buden hält.
Keine Kommentare » |
Gedanken, Leben |
Permalink
Verfasst von lebedeph
Mai 6, 2008
Meine geliebte Universität befindet sich bereits seit geraumer Zeit in einer Art Umbauphase. Berge von Dreck, laute Baumaschinen und ein trauriges Lehr- und Lernprovisorium, welches sich durch viel Sichtbeton und fehlenden Mobilnetzempfang auszeichnet. Insgesamt ein Desaster der Stufe 6 von 10. Eigentlich gar nicht mal so schlimm, würde es nicht den Rest meiner Studienzeit anhalten. Bis 2011 oder so. Dazu kommen diese viele Studenten: der Campus ist für 3′500 Studis angelegt, momentan schlawinern und studieren 5′000 an der Uni St.Gallen. Stuhlraub und Platzklau sind an der Tagesordnung. Aber der Gipfel kommt erst: Wer glaubt, die Bauerei diene der Campuserweiterung, so dass sich zukünftige Generationen nicht in einen darwinistischen Überlebenskampf um Luft und Platz in den Vorlesungsräumen stürzen müssen, der irrt. Es gibt eine neue Sporthalle, eine neue Mensa, eine Tiefgarage (hauptsächlich für Dozierende) und die alten Vorlesungsräume werden saniert. Gewonnener Platz: 0. Ob dann wenigstens die Prüfungen wegen Platzmangel nicht mehr in die städtischen Festhallen verlegt werden müssen… wer weiss.
Ich freue mich schon auf die nächste Startwoche und den Augenblick, in dem ich als Tutor den neuen Studis erklären darf, weshalb sie auf einer Baustelle studieren, weshalb Kurse nun grösstenteils in einem hässlichen und mit Werbung zugekleisterten Lehrprovisorium stattfinden, wieso sie ihre Prüfungen in einer Festhalle schreiben werden, wieso sie auch am Ende der Bauzeit nicht mehr Platz haben werden und wofür sie, verdammt noch mal, die höchsten Studiengebühren des Landes zahlen!
Keine Kommentare » |
Studium, Universitäres |
Permalink
Verfasst von lebedeph
Mai 5, 2008
Trotzdem nicht nur ein Fluch, das Bologna-System. Nach einer etwas bestimmteren Nachfragen einer meiner zukünftigen Mitreisenden, hat sich die Anrechnungsstelle unserer Uni dazu durchgerungen, uns auch die Pflichtfächer im Austausch anzurechnen. Zwar wurde das Wort “Ausnahme” schon fast penetrant betont, ist mir aber egal. Sollen sich andere weiter mit Credits, Anrechnungs- und Umrechnungsprozederen rumärgern. Dank meiner Zusatzausbildung in Wirtschaftspädagogik bin ich eine offiziell beglaubigte Ausnahme (was ich schon lange wusste), was mich zur Benützung der Extrabahn qualifizert. Ich danke und wünsche allen weiterhin viel Vergnügen.
Und noch ein wenig Werbung muss ich machen. Für unser Unitheater nämlich, welches bald mit dem Stück “Ladies’ Night” für ein paar heisse Skandale sorgen wird. Hoffen ich. Dann müsste ich mir nämlich nicht mehr die Nächte auf der Suche nach einer Artikelidee für unsere Studentenzeitung um die Ohren schlagen. Nein, selbstverständlich hege ich keine solchen egoistischen Gedanken, sondern hoffe vielmehr, dass die Jungs & Mädels ihren verdienten Applaus kriegen. Braucht schliesslich eine Menge Mut, seinen guten Ruf und zukünftigen Werdegang für ein Theaterstück aufs Spiel zu setzen. Wobei 10.- CHF für das Stück doch relativ happig ist. Aus studentischer Sicht zumindest. Wo fliesst das Geld denn bitte hin? So wie ich einige der Herren kenne ist der Fall klar. Nun denn, was will man machen. Junge Talente soll man fördern, oder ihnen mit dem Geld ein Leben ohne Schauspielerei ermöglichen. So oder so, eine gute Tat ist’s allemal.
Keine Kommentare » |
Austausch, Leben, Studium |
Permalink
Verfasst von lebedeph
April 30, 2008
Heute beim Zeitunglesen hatte ich plötzlich diesen bitteren Geschmack im Mund. Ich sähte eine kleine Hügellandschaft aus Zucker über meinen Kaffee. Es half nichts, der Zeitungsartikel wurde dadurch nicht besser. Dieser berichtet, dass eine Studie ergeben hat, dass die SVP im Wahlkampf der Nationalratswahlen 07 am besten die Sorgen der Wähler getroffen hat (mehr). Auf dem zweiten Platz folgen die Grünen, deren CO2-Hatz dank belegter Klimaerwärmung endlich den gewünschten Zulauf erhielt. Wie auch immer. Die SVP trifft Themen am besten? Ist nicht böse gemeint, aber welche Themen denn? Wer sich dafür interessiert findet in diesem etwas älteren Beitrag einige zusätzliche Informationen (hoffe ich). Ich rekapituliere trotzdem kurz die Inhalte des Wahlkampfes der SVP:
1) Schäfchenplakat. Thema: Schwarze Schafe raus. Über gewollte und ungewollte Doppeldeutigkeiten und Parallelen lässt sich bis heute streiten.
2) SVP wählen, Blocher stärken. Thema: Personalisierung des Wahlkampfes.
Also wenn ein solches Programm die Sorgen der Wähler am besten anspricht, dann steht es nicht gerade toll um die Schweiz. Insbesondere, wenn man das vor dem Hintergrund sieht, das andere Parteien mit anscheinend so absurden Themen wie Umweltpolitik und Familienpolitik die Wähler erreichen wollten. Gemäss der Studie hat der durchschnittliche Schweizer Stimmbürger also nur xenophobisch angehauchte Immigrationspolitik und den Christoph “Stöphl” Blocher im Kopf? Ich weiss nicht. Spielt es keine Rolle, das die grösste Partei der Schweiz den Klimawandel bis heute trotzig ignoriert? Es wären ja auch Ausländer daran schuld. Eine weitere Frage: Die SVP warb mit ihrem Dampfross Christoph Blocher (”SVP wählen, Blocher stärken”). Dieser wurde wenig später abgewählt. War das gute Wähleransprache?
Aber vielleicht habe ich auch ein zu verdrehtes Verständnis von Sachpolitik, so dass sich die Inhalte der SVP-Kampagnen meiner Wahrnehmung gänzlich entziehen. Und wenn man die Zeit nach den Nationalratswahlen nicht ganz aussen vorweg lassen möchte, dann fällt auf, dass die SVP bis heute vor allem mit sich selber beschäftigt war, und nicht mit den angekündigten Themen. Nach der Feier über den Wahlsieg bei den Nationalratswahlen folgte die Keule in Form der Abwahl des (jetzt: ehemaligen) Bundesrates Christoph Blochers. Und es kommt noch schlimmer; an seiner Statt wird vom Parlament eine SVP’lerin in den Bundesrat gewählt, die nicht den streng-konservativen Kurs des Zürcher Flügels der SVP fährt, sondern etwas gemässigter im bürgerlich-liberalen Raum politisiert. Nach einer Trotzphase gegen die politische Umwelt, in welcher sich die SVP selber in die Ecke einer virtuellen Opposition stellte (virtuell, weil es im Schweizer System wegen der Konkordanz keine Opposition à la Deutschland oder Österreich geben kann), folgte die Trotzphase gegen innen, welche sich bis heute gegen ihre eigene neugewählte Bundesrätin Widmer-Schlumpf richtet. So weit weg von den Hardlinern sei sie, dass sie eigentlich gar keine SVP’lerin sei. Und wenn sie nicht freiwillig die Sachen packen will, schmeisst man eben den ganzen Bündner Flügel (Widmer-Schlumpfs politische Heimat) aus der Partei. Gleichzeitig wird von einer undemokratischen Wahl gesprochen; ein Skandal, wenn die Parteien ihre Bundesräte nicht selber bestimmen können, und das Parlament den Bundesrat frei und unabhängig von den einzelnen Parteien wählen darf. Und was meint der Direktbetroffene dieses Skandals, Christoph Blocher dazu? Aha. Zu dieser Äusserung liess er sich übrigens im Zusammenhang mit der Wahl des SP-Bundesrates Otto Stich von 1983 hinreissen, welcher anstelle der offiziellen SP-Kanditatin Liliane Uchtenhagen mit Hilfe von Geheimabsprachen mit der FDP gewählt wurde. Und Blocher fand das damals offensichtlich (noch) ganz in Ordnung. Meinungen sind eben relativ, gell.
Und was waren jetzt gleich die so tollen Themen der SVP? Untergegangen, das sind sie. Polemik und Provokation - das waren die effektivsten Werbeinstrumente, welche den gesamten Wahlkampf dominiert und schlussendlich den Erfolg erzielt haben. Die einseitigen sachpolitischen Themen im Hintergrund dieses personenorientierten und polemischen Wahlkampfes der SVP (obwohl dieser deshalb nicht schlechter ankam) mit einer Bestnote auszuzeichnen - ts, da helfen auch zehn Löffel Zucker nicht.
Keine Kommentare » |
Gedanken, Leben, Medien, Politik, Video |
Permalink
Verfasst von lebedeph
April 29, 2008
Vor einigen Jahren hat jemand entschieden, dass PowerPoint eine didaktische Offenbarung sei. Und der Wahnsinn begann. Schlimm, wie sich tagtäglich die Papierhügel in meinem Regal mehren. Papierbrunft. Alles vollgedruckt mit Folien, Slides, Sheets und sonstigem Blödsinn, den man sich täglich vom Uninetz saugen kann. Auf meinem Wunschzettel steht schon seit längerem ein Drucker mit Duplexfunktion, vielleicht rette ich damit ja den einen oder anderen Baum, an den ich später meine Hängematte befestigen kann. In dieser träume ich dann von besseren Zeiten und einem Studium, welches von so altmodischen Dozenten begleitet wird, dass alleine die Benutzung des Wortes PowerPoint mit körperlicher Züchtigung bestraft wird. Wie schön muss es gewesen sein, als noch nicht jeder Idiot die Möglichkeit hatte, seine hohlen Phrasen dank moderner Technik in kürzester Zeit über mehrere Seiten auszubreiten und per Netzwerk an sämtliche Studenten zu verteilen. Vergangen sind die Zeiten, als der Student im Audimax noch selber entschied, was er mitschrieb und was nicht. Heute wird kritiklos sämtliches Material ausgedruckt, welches das Siegel “prüfungsrelevant” trägt. Ohne Rücksicht auf Verluste, oder gar auf die eigene Vernunft. Aber eigentlich darf ich nicht meckern, ich bin kein Deut besser. Für morgen liegen für meine zwei Vorlesungen 80 Folien auf 20 Seiten bereit. Dankeschön.
Keine Kommentare » |
Gedanken, Studium |
Permalink
Verfasst von lebedeph
April 24, 2008
…wirds gefährlich. Ökonomen sollte man viel Geld geben, damit sie nicht denken. Diese Berufsgruppe nennt man dann Manager, und ist für sich genommen recht harmlos. Weigert man sich aber, diesen Obolus an den Weltfrieden zu entrichten, dann passieren Sachen wie die folgende: Ein wenig ungläubig las ich heute Morgen diesen Artikel: Economiesuisse, der Wirtschaftsdachverband der Schweiz, verlangt leistungsabhängige Studiengebühren. Eine sehr dreiste Forderung, obwohl sie vielleicht auf den ersten Blick gerechtfertigt scheint. Schliesslich wollen wir ja alles das anwenden, was wir einmal vor Unzeiten im Audimax gelernt haben, und unser Bildungssystem anreizverträglich gestalten. Das dachten sich wohl auch die weisen Männer von Economiesuisse; von denen, und das muss an dieser Stelle gesagt werden, wohl die meisten, wären sie mit ihrem selbsterdachten Gebührensystem konfrontiert worden, nicht ihre aktuellen Stellen inne hätten, sondern viel eher nach dem fehlenden “Stutz” oder “Münz” fragend durch die Unterführung örtlicher Bahnhöfe ziehen würden. Was ist der Dank für diese Barmherzigkeit, die ihnen ihren Elefantenledersessel beschert hat? Sie wollen unser Bildungssystem, welches nach dem Motto “Bildung für alle” funktioniert, über den Haufen werfen, und durch ein Bonzen und Streber bevorzugendes System ersetzen. Denn für jene Studenten, die nur haarscharf durch die Examen rutschen, sollen die Gebühren bis auf CHF 10′000.- ansteigen können. Kein Platz also für Normalsterbliche. Und der mittelmässige Student? Man dürfte sich die Preisklasse wohl selbst denken können. Eine Unverschämtheit und gleichzeitig ein Schritt, der einem Rückfall ins dunkle Mittelalter gleichkommt. Immerhin, ein allfälliger Nebenjob soll in die Leistungsmessung miteinbezogen werden. So kann man sich seine Fünftausend pro Semester wenigstens in den Nächten und an den Wochenenden erarbeiten und sich tagsüber darum kümmern, dass die Studiengebühren nicht von fiesen, unsichtbaren Händchen in schwindelerregende Höhen gehoben werden.
Freier Markt ist gut, gesunder Menschenverstand ist besser. Aber den kann man eben nicht auswendig lernen. Schade eigentlich, es käme bestimmt vielen Leuten entgegen.
2 Kommentare |
Leben, Studium |
Permalink
Verfasst von lebedeph
April 24, 2008
Lebedeph liest: Pure Anarchie von Woody Allen
Lebedeph hört: Third von Portishead
Lebedeph schreibt: einen Artikel über die gesellschaftliche Verweiblichung für die Studentenzeitung
Lebedeph sieht: Full Metal Panic
Lebedeph denkt: Manchmal denke ich, ich denke zuviel.
Keine Kommentare » |
Film, Gedanken, Medien, Musik |
Permalink
Verfasst von lebedeph
April 23, 2008
Das sogenannte Bologna-”System” sollte ja der Verheinheitlichung der europäischen Studiengänge dienen. Für gleiche Leistungen werden gleichviele Credits vergeben. Ganz sinnvoll, dachte zuerst auch der Austauschstudent in mir. Der erste Kontakt mit der Anrechnungsstelle - jene Stelle, welche an meiner Uni prüft, wieviel wert die ausländischen Credits wirklich sind, wird für mich fortan nur noch als Fluch von Bologna betitelt werden - fiel daher auch ganz ernüchternd aus. Hier mal drei Credits, dort mal vier, Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet. Da ich über eine gesunde Darmflora verfüge, hielt sich der Schaden durch die überschäumende Galle in mir in Grenzen. Dennoch war und bin ich stinksauer: Einerseits eine ausgereifte Integration in das Bologna-System häucheln, andererseits umfangreiche, renommierte Kurse einer Austauschuni “aus Prinzip” nicht anrechnen. Diese arrogante Haltung, welche die Qualität der eigenen Kurse diskussionslos und unbegründet über jene der Austauschunis stellt, ist unfassbar, und die “Begründung”: Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet, einfach nur ein schlechter Witz. Und wohlgemerkt, wenn ich von meiner Austauschuni spreche, meine ich nicht eine windige Bretterbude mitten im Amazonas, sondern die zweitgrösste Uni des UK, ein Uni von Welt. Ich gebe zwar nicht viel auf den Ruf, der sich erfahrungsgemäss nur allzu schnell in einen Nachruf wandeln kann, dennoch wäre doch ein wenig mehr Achtung wünschenswert. Falls es jemanden interessiert. Und sonst, seid gewarnt.

Keine Kommentare » |
Studium |
Permalink
Verfasst von lebedeph