Alibikünstler

November 30, 2007

Als ich vor zwei Tagen wärend einer Zugfahrt durch eine Gratiszeitung blätterte, viel mir diese Meldung auf, welche von einem Toten durch eine Handyakkuexplosion berichtete. Kopfschüttelnd legte ich die Zeitung wieder an den ihr zustehenden Platz unter meine Schuhe.
Heute stiess ich auf diesen kleinen Beitrag auf Spiegel.de:

Ein Kollege des Toten gestand einen schrecklichen Unfall. Das explodierte Handy sollte davon ablenken, dass er das Opfer beim Rangieren mit einem Baufahrzeug an einem Felsen totquetschte.Die Polizei untersucht nun, ob das Telefon wegen des hohen Drucks explodierte oder vom Unfallverursacher in Brand gesteckt worden ist.

Dieses Alibi gehört zu den bescheuertsten, von denen ich je gehört habe. So bescheuert, dass ich es gleich weiter verbreiten muss! Da würden ja auch Derrick und Columbo Augen machen! Wie dumm muss man sein, um einen Rangierunfall mit einer (nebenbei in diesem Ausmass völlig unmögliche) Handyakkuexplosion(!) tarnen zu wollen?
Eines muss ich dem Täter dennoch zugute halten: Eine Welt, in der die Menschen Angst vor ihrem Handy hätten, wäre gar nicht mal so unangenehm.


Donnerstags-Memo

November 29, 2007

Woher kommt eigentlich Father Christmas? Diese und ähnliche und ganz andere Fragen werden im sehenswerten Kurzfilm Rare Exports Inc gestellt und ja… irgendwie beantwortet. Seht selbst!

Rare Exports Inc Part 1
Rare Exports Inc Part 2

Neues Thema:
Beim Vorbereiten und Durchführen eines Referats, und insbesondere bei Unterstützung durch eine PowerPoint-Präsentation, lernt man ja hin und wieder einige nützliche Dinge. Um dem einen oder anderen, und auch mir selber, das Leben in Zukunft ein wenig zu erleichtern, und weil das bis jetzt auch noch nirgends so schön steht, ein kleines lessons learned von heute. Aber auch wenn ich das nie nie wieder durchlesen sollte; alleine die Reflexion soll ja Wunder wirken. Also dann mal los:

  • Für Beamer Auflösung von 1024 & 768 wählen (für optimale Darstellung).
  • Wenn ein Video o.ä. wärend der Präsentation gezeigt werden soll, das Videofenster aber schwarz bleibt, gibt es 2 Möglichkeiten:
    1) Den Beamer als 2. Bildschirm einstellen und Desktop auf 2. Bildschirm erweitern (unter Eigenschaften/Einstellungen); dann den 2. Bildschirm zum primären Bildschirm ernennen (ebenfalls unter Eigenschaften/Einstellungen), da die Powerpoint-Präsentation von Windoof immer auf den 1. Bildschirm projeziert wird, egal auf welche der beiden Bildschirme sie geöffnet wird. So wird das Video nur für den Präsentationsbildschirm berechnet, und wird dann auch normal angezeigt. Schwarz bleibts nur bei ungenügender Leistung der Hardware.
    2) Den Laptopbildschirm für die Ppt-Präsentation auf Black stellen, so dass das Video nur für den Beamer-Ausgang berechnet wird. Vorteil: geht schneller, Nachteil: Navigation mit Maus nur mit Rückwärts-über-die-Schulter-auf-Leinwand-Blick möglich.
  • Um YouTube-Videos auf die Festplatte zu laden und abzuspielen braucht es zwei Dinge:
    1) Ein Programm, welches die eingebetteten Videos ortet und downloadbar macht. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Firefox-Addon Video DownloadHelper gemacht.
    2) Die Dateien werden im *.flv-Format, einem Flashvideoformat gespeichert. Um diese abzuspielen empfiehlt sich ein Flashplayer, zum Beispiel der FLV-Player oder der KMPlayer. KMPlayer steht im übrigen für Korean Multimedia Player und spielt so ziemlich alle aktuellen Videoformate ab, ist also m.E. in jedem Fall eine gute Wahl.

Mittwochs-Memo

November 28, 2007

Ist schon spät, deshalb ganz kurz:

  • Wichtige Erkenntnis: An der Uni arbeite ich am effizientesten, weil ich mich dort in die Arbeit flüchte um mich von den seltsamen Existenzen abzulenken.
  • Heute im Rahmen einer Vortragsrecherche (thema: national identity and its implications for marketing strategies) entdeckt:
    Schottische Scotch-Werbung (William Lawson’s): #1, #2, #3, #4, #5, (#6)
    Kanadische Bierwerbung (Canadian Lager): #1, #2, #3
    Ob wohl alle gute Marketing-Fritzen Alkoholiker sind? Der Schluss liegt jedenfalls nahe.
  • Morgen gibts ein Abendessen auf Institutionskosten. Habe heute mit dem Fasten begonnen. Das wird ihnen teuer zu stehen kommen…

Der zuvielte Idiot

November 27, 2007

Kein Witz: Mädchen, 16, sitzt an Bushaltestelle in Zürich/Stadt, und wird von einem Sturmgewehrprojektil tödlich getroffen. Eine Meldung, an deren Typus man sich unangenehmerweise bereits gewöhnt hat; jedoch vornehmlich aus den vielen Krisengebieten dieser Welt. Zürich ein Krisengebiet? Wohl kaum. Bloss einer von 2.4 Millionen Sturmgewehrhaltern in der Schweiz, der nicht intelligent genug war, seine Verantwortung wahrzunehmen. Aber das war natürlich eine Ausnahme, die restlichen 2′399′999′999 Waffenhalter sind hochintelligente und verantwortungsbewusste Bürger, die sich der Gefahr bewusst sind, welche unvermeidlich mit dem Besitz einer Waffe verbunden ist. Klar. Kein Wunder können Armee und der Herr Verteidigungsminister keine Stellung beziehen. Wer könnte das schon. Im Namen der Landesverteidigung? Das ich nicht lache. Ehrlich gesagt, sowas beschämt mich. Sehr sogar.

Edit: soeben gefunden: ein Zitat eines Beführworters der häuslichen Waffenhaltung: Wenn jemand vorsätzlich jemanden töten wolle, dann tue er dies sowieso: «Menschen, die vorsätzlich töten wollen, werden sich immer irgendwie eine Waffe und Munition beschaffen können. Das muss auch der Schütze von Höngg getan haben.»
Ja, der Herr hat recht! Wenn sie sowieso töten wollen spielt es keine Rolle, ob man ihnen ein Sturmgewehr mit nach Hause gibt oder nicht… manmanman. Für dieses Argument kriegst du einen Keks. Einen abgelaufenen. Der macht Durchfall. Auf dass die Schüssel dich deiner und deiner Artgenossen annimmt!

-> Angenommen


Lebedeph liest: Die Stadt der träumenden Bücher

November 27, 2007

moers_buecher_250.jpgZu Beginn war ich ja sehr skeptisch: Ein Fantasyroman von Walter Moers, unter anderem der Erfinder von Käpt’n Blaubär, Das Kleine Arschloch und Der Bonker; konnte das für ein Stück lesenswerter Lektüre stehen? Ausserdem bin ich ein Apoleget der Scheibenwelt-Romane, und so gewissermassen vorbelastet, was Ansprüche und Erwartungen an Fantasyromane betrifft. Diverse, überaus positive Rezensionen haben mich dennoch zu einer weiteren Auseinandersetzung mit dem Buch bewogen.
Müsste ich Die Stadt der träumenden Bücher kategorisieren, so würde ich es wahrscheinlich zu den Liebesromanen stellen, ganz gemäss der Erklärung eines Kritikers von Die Welt: „Es ist die grösste, schönste Liebeserklärung an das Lesen und die Literatur, die in diesem Jahr zu haben ist“. Dies soll aber nicht zu einer Schleichwerbung verkommen. Im Gegenteil. Ich möchte kurz und ehrlich darlegen, warum mich dieses Buch soviele Stunden wortwörtlich absorbiert hat.
Die Geschichte beginnt, wie so oft, am Sterbebett eines Mentors, der vor seinem Dahinscheiden seinem Schützling eine Aufgabe zukommen lässt. In diesem Fall ist der Beauftragte Hildegunst von Mythenmetz, ein 77 Jahre junger Lindwurm und angehender Dichter, der dem letzten Willen seines Dichtpaten folgt, und sich auf die Suche nach einem aussergewöhnlichen Autor nach Buchhaim, der Stadt der träumenden Bücher, begibt. In dieser Stadt, in der sich alles um das Lesen, Verlegen, Dichten, Pressen, Verfassen, Schreiben, Drucken und Bibliographieren dreht, beginnt Moers eine so fantastische und lebendige Welt zu erschaffen, das es wirklich schwer fällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen (ein zeitdiebisches Buch!). Insbesondere wenn Moers in den Worten des jungen Mythenmetz selber das Faszinosum Lesen in all seiner Vielseitigkeit zu beschreiben beginnt, fühlt man sich gerade so am wohlsten, wie man ist, nämlich lesend. Moers schreibt auf eine Art und Weise, wie ich sie bis jetzt nicht gekannt habe. Wie bereits erwähnt, schätze ich die Fantasy-Romane Prachett’s, gewöhnlich in Englisch, und war deshalb äusserst (positiv) überrascht, wie schön und abwechslungsreich sich Fantasy in der deutschen Sprache liest (rein sprachlich betrachet), und wie sogar die Sprache selbst zum Fantasiegebilde umfunktioniert werden kann. Moers Wort- und Sprachspielereien haben mich regelmässig begeistert. Dabei helfen grundlegende Kenntnisse der deutschen Literaturlandschaft ganz besonders, um die häufigen Anspielungen zu verstehen. So begegnen einem neben Schrecksen und Trompaunen auch die ‘berühmten’ Autoren Gofid Letterkerl oder Ojahnn Golgo van Fontheweg, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen. Das ganze wirkt dabei nie aufgesetzt, sonder verschmilzt nahtlos mit der stimmigen Bücherwelt.
Das Buch selbst ist ausserdem illustriert durch zeichnerische Werke (by W. Moers) im Comicstil , welche der Fantasie hie und da ein wenig auf die Sprünge helfen. Trotzdem wird die eigene Vorstellungskraft niemals unterfordert, jedenfalls war meine ständig fleissig am ackern.
Zusammengefasst handelt es sich bei Die Stadt der träumenden Bücher um eine Pflichtlektüre für jeden, der auch nur ein bisschen etwas mit Fantastikliteratur anfangen kann. Meine bescheidene Empfehlung.


Dumme Sieger, dümmere Verlierer

November 26, 2007

Ist schon klasse, wie Politiker mit Sieg und Niederlage umgehen können. Beim Sieg werden Loblieder auf den Volkswillen gesungen, und lautstark wird propagiert, andere Parteien hätten erfolgreich an demselbigen vorbeipolitisiert.
Die Wochen später folgende Niederlage wird dann aber plötzlich zu entweder einer ‘gewonnenen’ Niederlage (Wir wollten eigentlich gar nie gewinnen. Das war schon rein rechnerisch ausgeschlossen) oder zu einer Niederlage der anderen Parteien (Dass wir nicht gewonnen haben liegt doch nur daran, dass die anderen ihre Parteianhänger nicht im Griff haben) uminterpretiert. Ich erwarte keine Entschuldigung, aber einfach mal die Klappe halten. Bitte.


Lebedeph hört: Bo Katzman

November 25, 2007

Es benötigt in der Tat einiges an Überwindung, das ganze Bo Katzman-Konzert noch einmal aufzurollen, jedoch hoffe ich damit vielleicht die eine oder andere Seele vor dieser oder einer ähnlichen Erfahrung zu bewahren.
Eigentlich begann der Abend noch ganz versöhnlich: verwöhnt von guter Musik vom TaschenDJ und einer erhellenden Weglektüre trudelte ich am Ort des Geschehens ein…und war perplex: überall schon Leute, der Saal begann sich schon zu füllen, dabei war erst in einer Stunde offizieller Start. Also hurtig in den Umkleideraum der Billeteure geschritten, wo sich, oh Schreck, die gesamte Bo Katzman-Chorcrew breit gemacht und mit dem Umziehen begonnen hat. Die Mehrheit darunter grau melierte Frauen. Natürlich. Ein Anblick also, welcher auch den tollwütigsten Hund in die Flucht geschlagen hätte. Als würde ich von demselben gejagt, hetzte ich wieder in die Empfangshalle und wartete, bis die grauen Eminenzen sich hinter die Bühne zurückgezogen hatten. Beim zweiten Versuch, die Garderobe zu betreten, wurde ich zwar fast Opfer eines olfaktorischen Schlaghammers, nachdem sich aber mein Riechzinken ins Schädelinnere zurückgezogen hatte, war es einigermassen erträglich und mein Einsatz verzögerte sich nicht noch weiter.
Wieder oben wurden direkt Positionen bezogen und nach kurzer Verzögerung auch die Türen zum Hörsaal geöffnet. Danach ging ich wie gewohnt einem meiner liebsten Hobbys nach: Typisierung von fremden Leuten. Normalerweise handelt es sich beim Tonhallenpublikum um Übersechzigjährige, welche sich auf einen Abend mit Bach, Strauss oder Mozart freuten, da macht das Typisieren nicht wirklich Spass. Bei solchen Anlässen wie dem Bo-Katzman-Konzert ist das ganz anders. Der erste Typ, der da an mir vorbei rannte, gehörte zum Typ „hyperaktive ältere Fraue“, welche auch gern im Chor mitsängen, dies aber nie geschafft haben, und sich seither in ein bodenloses Engagement in der örtlichen Kirchgemeinde als Kuchenbäckerin oder Adventskranzbinderin flüchten. Da für diese Gruppe das Bo-Katzman-Konzert ein riesen Highlight darstellt, waren sie erwartungsgemäss auch die ersten, welche mich wie ein Gruppe hungriger Wölfe belagerten und fast sekündlich nachhakten, wann’s denn nun entlich losgehe, und mich mit anklagendem Unterton auf die Zeitangaben im Programm hinwiesen.
Die nächste Kategorie ist mit der ersten verwandt, nur haben diese Frauen eine Familie gegründet. Der nach Weichspüler riechende Ehemann mit den uniform gekleideten und typischerweise ebenfalls hyperaktiven Kindern im Schlepptau folgt stumm der tonangebenden Frau. Es ist ihr Abend, und wehe dem, der ihn ihr streitig macht. Schmunzelnd denke ich an die dramatischen Szenen, welche ich mit einem „Tut mir leid, Katzman ist krank, das Konzert ist abgesagt“ verursachen könnte, halte mich aber profesionnel zurück.
Die dritte Kategorie ist ebenfalls weiblich (wie die übrigen Dreiviertel der Anwesenden), ungefähr 30 und offensichtlich frustriert, noch nicht „den richtigen Mann“ – ich nenne es schlicht „gar keinen Mann“- gefunden zu haben. Wer kennt sie nicht: sie tragen weisse Blusen, vertikal weissgestreifte schwarze Hosen und schwarze Schuhe mit diesen hohen, jedoch zentimeterbreiten Absätzen. Sie schlendern in Grüppchen mit anderen Artgenossinnen durch das Foyer, und schauen Männer grundsätzlich nicht über einem Winkel von 45° an.
Die vierte und letzte Kategorie ist das ältere Ehepärchen, beide über 60, welche regelmässig auch an Schlagerpartys anzutreffen sind. Sie gehören an diesem Abend zu den angenehmsten Gästen. Sind freundlich, selbstständig und nicht auf ständige Bestätigung ihres Daseinssinnes angewiesen.
Nach einer halben Stunde haben entlich alle Gäste den Weg vor die Bühne gefunden, ich schliesse die Türe hinter ihnen und geniesse die plötzliche Stille. Wunderbar. Drinnen tobt die Menge, ich habe Pause. Also rüber in die Kantine des benachbarten Stadttheaters, wo ein lustiger Haufen von Schauspielern, Bühnenbildnern, Kostümschneidern und so weiter den Samstagabend geniessen. Der kurze Aufenthalt an diesem gemütlichen Ort lässt mich die erlebten Schrecken kurzzeitig vergessen.
Ein wenig erschrocken über den Zeitsprung verliessen wir eine Stunde später diesen Hort der Wärme wieder. Bo machte bald Pause, und die Saaltüren sollten geöffnet werden (dem modernen Gast wird auch überhaupt nichts mehr zugetraut). Als die Applauswellen entlich abflachten und ich die erste Türe aufriss, schlug ich sie sogleich wieder zu. Abartig. Tief Luft holen, aufmachen, wegrennen. Was haben die da drinn bloss angestellt? Neben der Kunstnebelwand, welche bald durch das ganze Gebäude ziehen sollte, ergoss sich ein Meer voller Düfte teils chemischer, teils biologischer Herkunft in das unschuldige Foyer. Das Rauchverbot und das damit verbundene Fehlen einer offenen Flamme verhinderte jedoch Schlimmeres, und die gewaltige Lüftungsanlage pumpte wärend der Pause das leicht entzündliche Gemisch unter Vollast zuverlässig nach draussen, wo es sich unbemerkt zu den übrigen Treibhausgasen gesellte. Abgesehen vom temporären Schock verbringe ich die Restpause unbehelligt, in die eigene Fantasiewelt gekehrt, und bin 15 Minuten später der erste, der die Türen hinter den Gästen wieder schliesst. Phu, bald geschafft.
Unten wartete aber bereits die nächste Überraschung: die Chormitglieder, welche unsere Garderobe infiltriert hatten, haben dieselbige randaliert. Kleidungsstücke einiger unserer Mitglieder lagen verstreut auf dem Boden herum, die Chordamen hatten sich offensichtlich Platz geschaffen wo keiner mehr war. Absolut genial! Randalierende Gospelchorsängerinnen, sowas wäre nicht einmal Tarantino in seinen kränksten Träumen in den Sinn gekommen. Nachdem wir die Situation wieder einigermassen geklärt hatten und ganz nebenbei einige Habseligkeiten der Chormitglieder mit … nein das geht zu weit. /cut
Eine Dreiviertelstunde später. Nach dem frenetischen, um nicht zu sagen fanatischen Applaus nach dem letzten Lied (Oh Happy Day, wie könnte es anders sein) ersparte Bo mir und der musikliebenden Welt glücklicherweise eine Zugabe. An dieser Stelle sei noch erwähnt: Die Qualität des Dargebrachten kratzte wirklich an der untersten Grenze jeglichen Bewertungsspektrums. Einzig Nubia, der ‘Gaststar’ des Abends, konnte stimmlich überzeugen und erinnerete nicht wie Bo&Chor an einen akkustischen Sonntagsschulausflug. Die Zuschauer schien das nicht zu stören, teils fanatisch mitklatschend, teils beinahe zu Tränen gerührt standen und sassen sie an ihren Plätzen und starrten auf die Bühne. Sowas schreckt mich ab. Dabei handelt es sich bei Bo Katzman nur um eine verkappt-religiöse Veranstaltung, die nicht in erster Linie der Missionierung dient. Andere Anlässe, sogenannte Pop- und Jugendgottesdienste, sollen ja noch viel schlimmer sein. Aber ich möchte hier nicht weiter auf den Beschreib sektenähnlicher Zusammenkünfte eingehen, meine Schmerzensgrenze war auf jeden Fall bereits jetzt erreicht. Da dieses Spektakel nun aber glücklicherweise beendet war, verliess das Publikum die Räumlichkeiten. Oder eben nicht. Abwesend und gerührt starrte man noch in Richtung Bühne und folgte nur mürrisch meinen Aufforderungen zum Verlassen des Saals. Aber auch dies tat meiner Freude über den baldigen Feierabend keinen Abbruch mehr. Ich hatte es überlebt. Beinahe. Als ich glückstrunken in die Garderobe stolperte, erblindete ich sogleich bei dem Anblick von sich umziehenden Chorsängerinnen und flog wie von einem gewaltigen Kinnhaken getroffen rückwärts aus dem Raum wo ich regungslos liegen blieb und auf den nächsten Herzschlag wartete. Er liess schrecklich lange auf sich warten. Immerhin, nach diesem Anblick konnte mich nichts mehr schocken. Kaum war die Garderobe verlassen hatte ich freie Bahn und zog mich um, so schnell wie noch nie. Ohne noch wertvolle Sekunden zu vertrödeln verliess ich den Tatort. Vorwärts schauen, vorwärts schauen.


Mongolisches FeelGood

November 23, 2007

So richtig wohlfühlen…das ist schön. Den Abend beim Chinesen verbracht, All You Can Eat-mongolische Platte (ja, beim Chinesen), und zum Abschluss noch ein Kännchen Sake. Was tut das gut! Muss man mal gemacht haben, ein kulinarisches Erlebnis der Sonderklasse. Bei eingeschränkten Mitteln liegt auch ein Direktübergang zum Sake drin. Habe ich selten so auf mein Bettchen gefreut, und das schon vor Mitternacht! Möglicherweise werde ich auch nur langsam alt, da soll man ja nicht mehr so ein Nachtmensch sein. Wie auch immer, ich gedenke jetzt auf meinen Bauch zu hören und 2 Tage lang durchzuschlafen. Aber morgen Abend gibt’s  schon wieder was Schwerverdauliches, dann aber auf die Ohren. Hach.


Lebedeph sieht: Jin-Roh

November 23, 2007

jin-roh-06.jpgDer nun doch schon etwas ältere Anime-Film Jin-Roh – The Wolf Brigade stand schon des längeren auf meiner ToDo-Liste. Nachdem ich es nun entlich geschafft habe, hat mich der Film auf beeindruckende Weise daran erinnert, warum ich Anime-Filme mag. Mamori Oshii liefert mit Jin-Roh meiner Ansicht nach noch ein besseres Zeugnis seines Könnens ab, als er es mit Ghost in the Shell ohnehin schon getan hat. Vorweg also bereits der Hinweis: Wer Ghost in the Shell mochte wird auch Jin-Roh mögen. Jetzt aber zum eigentlichen Film: Jin-Roh spielt einige Jahre nach einem alternativ verloffenen Zweiten Weltkrieg, den die Deutschen für sich entschieden haben. Die Achsenmächte herrschen nun auch in Tokio, wo sich Stadtpolizei, Staatspolizei und das japanische Sicherheitsminesterium einen zuweilen recht blutigen Spionagekrieg liefern. Ausserdem stört eine Gruppe von Widerständlern, die sich The Sect nennt, die öffentliche Ruhe mittels terroristischen Aktionen. Mittendrin steckt Kazuki Fuse, ein Mitglied einer Sondereinheit der städtischen Polizei. Nachdem sich ein verzweifeltes junges Mädchen vor seinen Augen in die Luft sprengt, beginnt er seine Arbeit und sein Dasein zu hinterfragen. Auf der Flucht vor sich selber begegnet er der Schwester des Mädchens, und beginnt mit ihr eine sonderbare Beziehung. Die Handlung an sich ist nicht überaus komplex, jedoch fordert der Film an vielen stellen zu eigenen Gedanken und Überlegungen auf und bewegt sich so ständig auf einem sehr anspruchsvollen Niveau. Im Kern dreht sich der Film um das Thema freier Wille in totalitären Regiemen, zeigt aber auch gekonnt, wie ein Individuum zu sich selbst stehen kann, soll oder eben auch muss. Die in meinen Augen besonders interessanten Charakteren des Films tragen dabei enorm zur einzigartigen Atmosphäre bei.
Jin-Roh überrascht mit sehr weich gezeichneten und animierten Bildern. Die auffällig gut gelungenen Licht- und Schattenspiele tragen bei den häufig vorkommenden Szenen bei Dämmerung oder Nacht stark zur Stimmung bei. Obwohl der Film schon knapp 10 Jahre auf dem Buckel hat, sieht er auch im Vergleich zu aktuellen Werken noch sehr gut aus.
Filme, welche ich mir mehr als zweimal (ganz) angeschaut habe, kann ich an einer Hand abzählen. Wegen Jin-Roh muss ich aber bald die zweite zur Hilfe nehmen. Er fordert und gibt gleichzeitig, was zwischen den heutigen Machwerken der Filmindustrie meiner Meinung nach besonders hervorsticht und Achtung verdient.


eLearningwut

November 23, 2007

Da investiert die Uni unmengen von Studiengebühren in eine webbasierte Lernplattform, vergibt den Auftrag an IBM und was kommt raus? Ein verbuggtes, umständliches Tool („StudyNet“) das alles kann aber grundsätzlich nur als Filesharing-Plattform verwendet wird und beim Aufruf mit Firefox hässliche Abstürze und mit Safari eminenten Anzeigeprobleme und Funktionsmängel aufweist. Wenn ich daran denke, dass ich sowas mitfinanziert habe, wird mir gleich ganz anders.