TOEFL: Eine Leidensgeschichte

Um am begehrten Austauschprogramm meiner Alma Mater teilnehmen zu dürfen bedarf es unter anderem eines TOEFL’s (Test of English as a Foreign Language) mit mindestens 100 Punkten. Wer das Ding kennt, weiss wahrscheinlich bereits was jetzt kommt: eine Abrechnung. Darum lasset uns beginnen, am besten am Anfang, bei der Anmeldung.
Die Website von ETS (dem ‘Veranstalter’ des TOEFL-Zirkus’) führt bei der Betrachtung mit Firefox zu gröberen Anzeigefehlern und regelmässigen Abstürzen. Widerwillig aber mit einem zugedrückten Auge griff ich auf den alten IE zurück. Es folgte eine Link-Safari quer durch die ETS-Website, welche leider nur allzu umfangreich ist, da neben dem TOEFL noch andere Tests angeboten werden.
Nach der Registrierung und Bezahlung (natürlich nur in Dollar, ca. 150$) hatte ich bereits hohen Blutdruck und Schweissausbrüche. Schnell raus…
Doch der Spass geht weiter. Anscheinend scheint der TOEFL eine Wissenschaft für sich zu sein. Anders kann man sich die Literaturvielfalt nicht erklären. Augen zu und durch. Als ich wieder zu mir kam hielt ich ein über 800 Seiten starkes Preperation-Book (Barrons TOEFL® iBT Internet-Based Test 2006-2007, ca. 60 CHF). Es sah vielversprechend aus, hatte verschiedene Lernpläne für unterschiedlich lange Vorbereitungszeiten und eine CD-Rom voll mit TOEFL-Tests. Es waren noch 8 Wochen bis zum Test hin, ein entsprechender Lernplan war ja nun auch bereits vorhanden. Ideale Voraussetzungen also. Ich ging nachhause und… verstaute das Buch im Schrank.
*Zeitraffer ein*
*Zeitraffer aus*
#@*ç%, nur noch 2 Wochen, und noch nix gemacht. Schnell die TOEFL-Bibel aus dem Schrank geholt, abgestaubt, und schon konnte es losgehn. Wirklich vorwärts kam ich natürlich, wieder einmal, nicht. Muss ein Studentensyndrom sein oder so. Glücklicherweise stolperte ich am selben Tag noch über ein Angebot unseres unieigenen Sprachlabors: TOEFL-Preperation Course, 1.5 Tage lang intensive Vorbereitung (Kostenpunkt 180.- CHF). Mein Konto leerte sich, und alles was ich bisher hatte war ein Testtermin, ein achthundertseitiges Buch und einen gebuchten TOEFL-Kurs. Kosten total: ca. 400.- CHF. Jungejunge, und was wenn ich die 100 Punkte nicht schaffe?
Eine Woche später beim Vorbereitungskurs. Erster Tag: Je 2stündige Besprechung der einzelnen Sections (Reading, Listening, Speaking, Writing) mit kurzer Übung. Zweiter Tag: Konzentration auf das zeitfressende Writing sowie das schwierige Speaking. Nach dem Kurs fühlte ich mich wesentlich sicherer, es hatte also soweit etwas genützt, dass ich 2 Tage (einer davon ein Samstag!) meines Lebens dem TOEFL-Gott geopfert habe. Ob es sich gelohnt hat sollte sich bald zeigen…in 1 Woche… was, schon so bald?! Leider ja… Also hurtig zurück zu meinem Buch (s.o.), diesmal aber mit dem 7-Tage-Superintensivplan (den gabs zum Glück^.^). Er erwies sich dann noch als recht nützlich. Die 7 beiliegenden Probetests halfen besonders bei der Vorbereitung für das Listening und das Reading, aber auch das Timing beim Speaking konnte mit der beiligenden CD-Rom gut geübt werden. Ausserdem kam einiges Spezialvokabular und sogar einzelne wissenschaftliche Theorien, welche bereits in Übungen im Buch verpackt waren, auch im Test wieder vor. Das Writing konnte ich mit den Kursleitern noch weiter üben, welche unsere Essays nach TOEFL-Massstäben korrigierten. Den Einsatz lob ich mir!
Wo war ich? Achja…
Testtag *dingdong*. Gemäss der Empfehlung im offiziellen Bulletin trudelte ich schon eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Start im entsprechenden Raum an der Uni ein. Wie sich aber rasch herausstellte war der Startpunk selbst zu früh gesetzt. Also ersteinmal warten. Nebenbei füllte ich ein paar Formulare aus, unterschrieb einen Vertrag der mir sämtliche Annehmlichkeiten (Essen, Trinken) wärend des Tests untersagte und nahm mir gleichzeitig jede Chance auf Rekurs. Bittedankeschön.
Ca. 45 Minuten später wurde die erste Gruppe (es gab A und B, je etwa 20 Personen) ins Testcenter geführt. Für mich und die zweite Gruppe folgten noch ca. eine halbe Stunde Warten, dann wurden auch wir ins Testcenter berufen. Doch dort hiess es dann zuerst mal wieder … ja: “Warten sie bitte hier.” Dann durfte im Zweiminutentakt je 1 Person das Testcenter betreten, sich ausweisen, in eine Kamera grinsen und endlich, endlich mit dem Test starten. Für mich, der etwa in der Mitte der Schlange stand, bedeutete dies ersteinmal noch 20 Minuten Wartezeit, bis es denn endlich losging.
Als ich mit dem Test begann (Reihenfolge: Reading - Listening - 10 Minuten Pause - Speaking - Writing) waren die ersten (aus der Gruppe A) schon beinahe in der Pause. Als ich dann mitten im Leseteil steckte, herrschte bereits ein reger Verkehr an meinem Platz vorbei in das Pausenareal und zurück. Als ich beim Listening angelangt war, erzählte der Links von mir seinem Mikrophon etwas über Nudeln und die links von mir war bereits beim Writing und hämmerte nervös auf der Tastatur herum. Zum Glück war gleich Pause. Nix wie raus… aber bitte das Gebäude nicht verlassen! Frische Luft bringt uns alle um!! Nach der Pause und ca. 150 Gramm Traubenzucker später sass ich hellwach beim Speaking und redete über meine imaginäre Katze, meinen Himalaya-Trip und wie gut ich doch geschlechtergetrennte Schulen fände. Die Nachbarin zu meiner Linken packte bereits zusammen, der Nachbar zu meiner rechten äugte bei jedem Fehler den ich machte zu mir herüber. Kam mir zumindest so vor. Aber ich hab seine Fehler auch gehört, jahaa :-P Die Tortur war bereits fast überstanden, das Writing stellt mich vor keine grösseren Herausforderungen mehr - dachte ich. Die Tastatur war doch tätsächlich auf US eingestellt. Ein nettgemeintes “Manual” erklärte mir, wo nun welche Taste zu finden oder eben nicht mehr zu finden sei. Ich übersprang angesichts des Zeitdrucks diese Lektüre und nahm mich der Herausforderung an. Kein Problem für mich, learning-by-doing war schon immer meine Stärke.
Müde und ernüchtert ging ich an diesem Tag nachhause und verbrachte meine Wochen seither mit dem Schmieden übler Pläne gegen ETS, TOEFL und zentrale Tests ganz allgemein. 2 Wochen vergingen, die Resultate sollten kommen. Jetzt, noch eine Woche später, sind sie auch tatsächlich hier. ‘Bestanden’ mit 111 Punkten. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf meinen ersten Austausch. Aber wirklich zufrieden kann ich mit diesem Ergebnis trotzdem nicht sein, wenn ich daran denke, was dahinter steckt.
Vielleicht mögen viele, die es bereits hinter sich haben mir widersprechen, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall wünsche ich jedem, der es noch vor sich hat, alles Gute und viel Glück (GL & HF ;-) ). Ich hoffe dieser, wahrscheinlich eher unkonventionelle, Bericht hat euch ein wenig Mut machen können. Ich werde in Zukunft weiter über die Planung und hoffentlich auch Durchführung meines Austauschsemesters berichten. Bleibt dran oder lasst’s bleiben :-)

Eine Antwort zu “TOEFL: Eine Leidensgeschichte”

  1. Nils sagt:

    Ich habe sehr gegrinst beim Lesen, es macht Mut, dieses ganze aufgeblasene Prozedere mit Humor zu nehmen. Ich hab in zwei Tagen den Test, auch das Buch von Barron’s, kaum was gemacht und bin sehr angenervt von dieser CIA-wer-ungefragt-aufsteht-wird-von-Männern-mit-dunklen-Sonnenbrillen-nach-draußen-begleitet-Haltung, wie sie auf der Homepage jenseits der Strahlemanngesichter vermittelt wird. Auf jeden Fall: Vielen Dank für die Schilderung!

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