WHO – Welthandelsorganisation?

Ich bin ja selbst kein Altruist, aber sowas geht dann schon an die Grenze des guten Geschmacks: Da schafft die WHO eine (internetbasierte) Plattform, auf welcher interessierte Gruppen ihre Anliegen, Sorgen und ja, Interessen vertreten können. Klar mischten auch Vertreter der Pharmaindustrie mit, so dass der Diskussionsschwerpunkt hauptsächlich auf dem Schutz geistigen Eigentums lag. Soweit also ein Erfolg aus Sicht der Pharmaindustrie? Anscheinend nicht. Fleissig wurden die Vertreter von Patienteninteressen best*hust*, entschuldigung, durch finanzielle Zuwendungen dazu bewogen, sich dem Tenor der Industrievertreter anzuschliessen. Die Plattform der WHO, erdacht zur Ermöglichung eines offenen Dialogs, wandelte sich so zu einem Tummelfeld wirtschaftlicher Interessen. Die Mittel, welche dabei von der Pharmaindustrie auf- und angewandt wurden, erinnern mich dabei nicht nur entfernt an die der tabacalera. Erstaunlich eigentlich, würde man doch annehmen, dass sich die beiden Industriezweige aus moralischer Sicht diametral gegenüber stehen. Das Gedankenexperiment, einen Tabakkonzern mit einem Pharmakonzern zu fusionieren, scheint jetzt aber nicht einmal mehr so abwegig zu sein. Im Bereich der „Öffentlichkeitsarbeit“ wären anscheinend gewinnträchtige Synergien zu nutzen und zu bewirten, neue Märkte (bspw. die Dritte Welt) könnten zuerst mit Zigaretten erobert, und, bei steigendem Gesundheitsbewusstsein, mit teuren Nikotinpflastern abgeschröpft werden. Und wo bleibt die Moral? In einem kleinen fensterlosen Büro im Kellergeschoss des Hauptquartiers, wo ein unterbezahlter Jungmanager erfolglos versucht, sein an der Universität angelerntes Wissen über normatives Management in die Praxis umzusetzen.

Weitere Infos: The Lancet
für N3rds: Der Industrievertreter

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