Wie man Wähler gewinnt

April 30, 2008

Heute beim Zeitunglesen hatte ich plötzlich diesen bitteren Geschmack im Mund. Ich sähte eine kleine Hügellandschaft aus Zucker über meinen Kaffee. Es half nichts, der Zeitungsartikel wurde dadurch nicht besser. Dieser berichtet, dass eine Studie ergeben hat, dass die SVP im Wahlkampf der Nationalratswahlen 07 am besten die Sorgen der Wähler getroffen hat (mehr). Auf dem zweiten Platz folgen die Grünen, deren CO2-Hatz dank belegter Klimaerwärmung endlich den gewünschten Zulauf erhielt. Wie auch immer. Die SVP trifft Themen am besten? Ist nicht böse gemeint, aber welche Themen denn? Wer sich dafür interessiert findet in diesem etwas älteren Beitrag einige zusätzliche Informationen (hoffe ich). Ich rekapituliere trotzdem kurz die Inhalte des Wahlkampfes der SVP:

1) Schäfchenplakat. Thema: Schwarze Schafe raus. Über gewollte und ungewollte Doppeldeutigkeiten und Parallelen lässt sich bis heute streiten.

2) SVP wählen, Blocher stärken. Thema: Personalisierung des Wahlkampfes.

Also wenn ein solches Programm die Sorgen der Wähler am besten anspricht, dann steht es nicht gerade toll um die Schweiz. Insbesondere, wenn man das vor dem Hintergrund sieht, das andere Parteien mit anscheinend so absurden Themen wie Umweltpolitik und Familienpolitik die Wähler erreichen wollten. Gemäss der Studie hat der durchschnittliche Schweizer Stimmbürger also nur xenophobisch angehauchte Immigrationspolitik und den Christoph „Stöphl“ Blocher im Kopf? Ich weiss nicht. Spielt es keine Rolle, das die grösste Partei der Schweiz den Klimawandel bis heute trotzig ignoriert? Es wären ja auch Ausländer daran schuld. Eine weitere Frage: Die SVP warb mit ihrem Dampfross Christoph Blocher („SVP wählen, Blocher stärken“). Dieser wurde wenig später abgewählt. War das gute Wähleransprache?
Aber vielleicht habe ich auch ein zu verdrehtes Verständnis von Sachpolitik, so dass sich die Inhalte der SVP-Kampagnen meiner Wahrnehmung gänzlich entziehen. Und wenn man die Zeit nach den Nationalratswahlen nicht ganz aussen vorweg lassen möchte, dann fällt auf, dass die SVP bis heute vor allem mit sich selber beschäftigt war, und nicht mit den angekündigten Themen. Nach der Feier über den Wahlsieg bei den Nationalratswahlen folgte die Keule in Form der Abwahl des (jetzt: ehemaligen) Bundesrates Christoph Blochers. Und es kommt noch schlimmer; an seiner Statt wird vom Parlament eine SVP’lerin in den Bundesrat gewählt, die nicht den streng-konservativen Kurs des Zürcher Flügels der SVP fährt, sondern etwas gemässigter im bürgerlich-liberalen Raum politisiert. Nach einer Trotzphase gegen die politische Umwelt, in welcher sich die SVP selber in die Ecke einer virtuellen Opposition stellte (virtuell, weil es im Schweizer System wegen der Konkordanz keine Opposition à la Deutschland oder Österreich geben kann), folgte die Trotzphase gegen innen, welche sich bis heute gegen ihre eigene neugewählte Bundesrätin Widmer-Schlumpf richtet. So weit weg von den Hardlinern sei sie, dass sie eigentlich gar keine SVP’lerin sei. Und wenn sie nicht freiwillig die Sachen packen will, schmeisst man eben den ganzen Bündner Flügel (Widmer-Schlumpfs politische Heimat) aus der Partei. Gleichzeitig wird von einer undemokratischen Wahl gesprochen; ein Skandal, wenn die Parteien ihre Bundesräte nicht selber bestimmen können, und das Parlament den Bundesrat frei und unabhängig von den einzelnen Parteien wählen darf. Und was meint der Direktbetroffene dieses Skandals, Christoph Blocher dazu? Aha. Zu dieser Äusserung liess er sich übrigens im Zusammenhang mit der Wahl des SP-Bundesrates Otto Stich von 1983 hinreissen, welcher anstelle der offiziellen SP-Kanditatin Liliane Uchtenhagen mit Hilfe von Geheimabsprachen mit der FDP gewählt wurde. Und Blocher fand das damals offensichtlich (noch) ganz in Ordnung. Meinungen sind eben relativ, gell.
Und was waren jetzt gleich die so tollen Themen der SVP? Untergegangen, das sind sie. Polemik und Provokation – das waren die effektivsten Werbeinstrumente, welche den gesamten Wahlkampf dominiert und schlussendlich den Erfolg erzielt haben. Die einseitigen sachpolitischen Themen im Hintergrund dieses personenorientierten und polemischen Wahlkampfes der SVP (obwohl dieser deshalb nicht schlechter ankam) mit einer Bestnote auszuzeichnen – ts, da helfen auch zehn Löffel Zucker nicht.


Satisfaktion!

April 30, 2008

Ich bin eine zutiefst betrübte Tasse. Meine Sommerprüfungen überschneiden sich mit dem schönsten OpenAir der Welt. Was zu erwarten war, aber erst jetzt so richtig ins Bewusstsein drängt, und dort an meinem Wutbarometer schraubt. Die Semesterharmonisierung hat mich bereits meine letzten Sommerferien gekostet, und jetzt fällt ihr auch noch das OpenAir St.Gallen zum Opfer. Ist doch zum Heulen. Ich will Kompensation, Genugtuung, Satisfaktion, Entschädigung und viel Schockolade!


Papierkrieg

April 29, 2008

Vor einigen Jahren hat jemand entschieden, dass PowerPoint eine didaktische Offenbarung sei. Und der Wahnsinn begann. Schlimm, wie sich tagtäglich die Papierhügel in meinem Regal mehren. Papierbrunft. Alles vollgedruckt mit Folien, Slides, Sheets und sonstigem Blödsinn, den man sich täglich vom Uninetz saugen kann. Auf meinem Wunschzettel steht schon seit längerem ein Drucker mit Duplexfunktion, vielleicht rette ich damit ja den einen oder anderen Baum, an den ich später meine Hängematte befestigen kann. In dieser träume ich dann von besseren Zeiten und einem Studium, welches von so altmodischen Dozenten begleitet wird, dass alleine die Benutzung des Wortes PowerPoint mit körperlicher Züchtigung bestraft wird. Wie schön muss es gewesen sein, als noch nicht jeder Idiot die Möglichkeit hatte, seine hohlen Phrasen dank moderner Technik in kürzester Zeit über mehrere Seiten auszubreiten und per Netzwerk an sämtliche Studenten zu verteilen. Vergangen sind die Zeiten, als der Student im Audimax noch selber entschied, was er mitschrieb und was nicht. Heute wird kritiklos sämtliches Material ausgedruckt, welches das Siegel „prüfungsrelevant“ trägt. Ohne Rücksicht auf Verluste, oder gar auf die eigene Vernunft. Aber eigentlich darf ich nicht meckern, ich bin kein Deut besser. Für morgen liegen für meine zwei Vorlesungen 80 Folien auf 20 Seiten bereit. Dankeschön.


Wenn Economiesuisse denkt…

April 24, 2008

…wirds gefährlich. Ökonomen sollte man viel Geld geben, damit sie nicht denken. Diese Berufsgruppe nennt man dann Manager, und ist für sich genommen recht harmlos. Weigert man sich aber, diesen Obolus an den Weltfrieden zu entrichten, dann passieren Sachen wie die folgende: Ein wenig ungläubig las ich heute Morgen diesen Artikel: Economiesuisse, der Wirtschaftsdachverband der Schweiz, verlangt leistungsabhängige Studiengebühren. Eine sehr dreiste Forderung, obwohl sie vielleicht auf den ersten Blick gerechtfertigt scheint. Schliesslich wollen wir ja alles das anwenden, was wir einmal vor Unzeiten im Audimax gelernt haben, und unser Bildungssystem anreizverträglich gestalten. Das dachten sich wohl auch die weisen Männer von Economiesuisse; von denen, und das muss an dieser Stelle gesagt werden, wohl die meisten, wären sie mit ihrem selbsterdachten Gebührensystem konfrontiert worden, nicht ihre aktuellen Stellen inne hätten, sondern viel eher nach dem fehlenden „Stutz“ oder „Münz“ fragend durch die Unterführung örtlicher Bahnhöfe ziehen würden. Was ist der Dank für diese Barmherzigkeit, die ihnen ihren Elefantenledersessel beschert hat? Sie wollen unser Bildungssystem, welches nach dem Motto „Bildung für alle“ funktioniert, über den Haufen werfen, und durch ein Bonzen und Streber bevorzugendes System ersetzen. Denn für jene Studenten, die nur haarscharf durch die Examen rutschen, sollen die Gebühren bis auf CHF 10′000.- ansteigen können. Kein Platz also für Normalsterbliche. Und der mittelmässige Student? Man dürfte sich die Preisklasse wohl selbst denken können. Eine Unverschämtheit und gleichzeitig ein Schritt, der einem Rückfall ins dunkle Mittelalter gleichkommt. Immerhin, ein allfälliger Nebenjob soll in die Leistungsmessung miteinbezogen werden. So kann man sich seine Fünftausend pro Semester wenigstens in den Nächten und an den Wochenenden erarbeiten und sich tagsüber darum kümmern, dass die Studiengebühren nicht von fiesen, unsichtbaren Händchen in schwindelerregende Höhen gehoben werden.
Freier Markt ist gut, gesunder Menschenverstand ist besser. Aber den kann man eben nicht auswendig lernen. Schade eigentlich, es käme bestimmt vielen Leuten entgegen.


Momentaufnahme

April 24, 2008

Lebedeph liest: Pure Anarchie von Woody Allen

Lebedeph hört: Third von Portishead

Lebedeph schreibt: einen Artikel über die gesellschaftliche Verweiblichung für die Studentenzeitung

Lebedeph sieht: Full Metal Panic

Lebedeph denkt: Manchmal denke ich, ich denke zuviel.


Der Bologna-Fluch

April 23, 2008

Das sogenannte Bologna-“System“ sollte ja der Verheinheitlichung der europäischen Studiengänge dienen. Für gleiche Leistungen werden gleichviele Credits vergeben. Ganz sinnvoll, dachte zuerst auch der Austauschstudent in mir. Der erste Kontakt mit der Anrechnungsstelle – jene Stelle, welche an meiner Uni prüft, wieviel wert die ausländischen Credits wirklich sind, wird für mich fortan nur noch als Fluch von Bologna betitelt werden – fiel daher auch ganz ernüchternd aus. Hier mal drei Credits, dort mal vier, Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet. Da ich über eine gesunde Darmflora verfüge, hielt sich der Schaden durch die überschäumende Galle in mir in Grenzen. Dennoch war und bin ich stinksauer: Einerseits eine ausgereifte Integration in das Bologna-System häucheln, andererseits umfangreiche, renommierte Kurse einer Austauschuni „aus Prinzip“ nicht anrechnen. Diese arrogante Haltung, welche die Qualität der eigenen Kurse diskussionslos und unbegründet über jene der Austauschunis stellt, ist unfassbar, und die „Begründung“: Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet, einfach nur ein schlechter Witz. Und wohlgemerkt, wenn ich von meiner Austauschuni spreche, meine ich nicht eine windige Bretterbude mitten im Amazonas, sondern die zweitgrösste Uni des UK, ein Uni von Welt. Ich gebe zwar nicht viel auf den Ruf, der sich erfahrungsgemäss nur allzu schnell in einen Nachruf wandeln kann, dennoch wäre doch ein wenig mehr Achtung wünschenswert. Falls es jemanden interessiert. Und sonst, seid gewarnt.


Gruppenarbeit

April 18, 2008

Diese Tage musste ich wieder eine bittere Pille schlucken, deren üblen Nachgeschmack ich auch nicht durch Konsum von TicTacs in abführenden Mengen loswurde. Ja, das Leiden beginnt einmal mehr mit einer Gruppenarbeit. Wobei, mit Gruppenarbeit übertreibe ich bereits. Organisierte Arbeitsteilung trifft es wohl eher, denn sämtliche Charakteristiken einer gut funktionierenden Gruppe glänzten mit Abwesenheit. So meldete ich mit einer Leidensgenossin zur Schreibarbeit, während ich dem Rest der Gruppe die Ausarbeitung und Realisierung der Präsentation überliess. Trau, schau, wem – nützliche Worte, so im nachhinein. Die Präsentation als Katastrophe zu bezeichnen, entspräche immer noch nicht dieser Darbietung, welche der Dozent im Anschluss mit einem viertelstündigen Verriss kommentierte. Als eigentlich unbeteiligter Schreiberling traf mich der Kommentar doch sehr, wurde doch durch ihn auch mein, dank mehrsemestriger Hege und Pflege aufkeimendes Menschenvertrauen wie von einem bleiernen Titanenfuss in die dunkleren Sphären meiner Seelenwelt zurückgestampft. Ausserdem schlägt die schlechte Bewertung in dieser lieblosen Welt direkt auf meinen Leistungsausweis durch. Und trotz einer gewissen Egalität, welche ich solchen Zensuren mittlerweilen entgegenbringen kann, reagiere ich immer noch mit scheinbar epileptischen Anfällen (man könnte es tatsächlich auch als wild rudernde Gestik bei gleichzeitigem verbalen Bröckelhusten bezeichnen) auf so ein unverschuldetes Senkblei in meinem Zeugnis.
Für den nächsten Sonntag wurde auf jeden Fall schon ein achtstündiger Termin ausgehandelt, an dem wir die ganze Arbeit plus Inhalt 1) ganz neu erfinden und 2) zu einer wasserdichten Arbeit verdichten wollen. Bei sovielen Kastanien, die es da aus dem Feuer zu holen gibt, regt sich schon der Maronenbrater in mir. Und wer weiss, vielleicht wird am kommenden Sonntag ein unschuldiges Gruppenmitglied von einem fliegenden Maronenbratgerät erschlagen, welches ein geschundener Student in einem unkontrollierten Anfall aus dem Fenster geschmissen hat.


Krank

April 13, 2008

Nach einer herrlichen Erkältung, die mich sämtlichen Freiraum während meiner vorlesungsfreien Zeit gekostet hat, bin ich nun in Phase 6 angelangt. Trockener Husten, bis der Schädel platzt. War schon lustig mit rotem Kopf in die Blockseminare zu sitzen und mit einem Fünfkilofrosch im Hals die Prüfungspräsentation zu halten. Aber man kann sichs nun mal nicht aussuchen. Trotzdem frag’ ich mich bei jeder Erkältung wieder, warum es medizinisch möglich ist, sich seinen Arsch ins Gesicht zu verpflanzen, aber mit der Erkältung eine der am häufigsten viralen Infektionen immer noch unheilbar ist. Na, egal, die Welt hat mich wieder, als Virenschleuder nämlich; die nächsten 3 Tage/Phasen habe ich nun Zeit, mein Leid mit ungeliebten Menschen zu teilen. Am liebsten mit einem Homöopathenfutzi; einer von der Sorte, die sich permanent gegen Impfungen sträubt. Krank soll’n sie sein, und ihre Kaktushustensäftchen trinken. Dann bleiben uns auch solche Miniepidemien erspart. Einfach krank, dass sowas in der modernen Zivilisationen noch vorkommt.