Der Bologna-Fluch
Das sogenannte Bologna-”System” sollte ja der Verheinheitlichung der europäischen Studiengänge dienen. Für gleiche Leistungen werden gleichviele Credits vergeben. Ganz sinnvoll, dachte zuerst auch der Austauschstudent in mir. Der erste Kontakt mit der Anrechnungsstelle - jene Stelle, welche an meiner Uni prüft, wieviel wert die ausländischen Credits wirklich sind, wird für mich fortan nur noch als Fluch von Bologna betitelt werden - fiel daher auch ganz ernüchternd aus. Hier mal drei Credits, dort mal vier, Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet. Da ich über eine gesunde Darmflora verfüge, hielt sich der Schaden durch die überschäumende Galle in mir in Grenzen. Dennoch war und bin ich stinksauer: Einerseits eine ausgereifte Integration in das Bologna-System häucheln, andererseits umfangreiche, renommierte Kurse einer Austauschuni “aus Prinzip” nicht anrechnen. Diese arrogante Haltung, welche die Qualität der eigenen Kurse diskussionslos und unbegründet über jene der Austauschunis stellt, ist unfassbar, und die “Begründung”: Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet, einfach nur ein schlechter Witz. Und wohlgemerkt, wenn ich von meiner Austauschuni spreche, meine ich nicht eine windige Bretterbude mitten im Amazonas, sondern die zweitgrösste Uni des UK, ein Uni von Welt. Ich gebe zwar nicht viel auf den Ruf, der sich erfahrungsgemäss nur allzu schnell in einen Nachruf wandeln kann, dennoch wäre doch ein wenig mehr Achtung wünschenswert. Falls es jemanden interessiert. Und sonst, seid gewarnt.

