Wenn Economiesuisse denkt…

…wirds gefährlich. Ökonomen sollte man viel Geld geben, damit sie nicht denken. Diese Berufsgruppe nennt man dann Manager, und ist für sich genommen recht harmlos. Weigert man sich aber, diesen Obolus an den Weltfrieden zu entrichten, dann passieren Sachen wie die folgende: Ein wenig ungläubig las ich heute Morgen diesen Artikel: Economiesuisse, der Wirtschaftsdachverband der Schweiz, verlangt leistungsabhängige Studiengebühren. Eine sehr dreiste Forderung, obwohl sie vielleicht auf den ersten Blick gerechtfertigt scheint. Schliesslich wollen wir ja alles das anwenden, was wir einmal vor Unzeiten im Audimax gelernt haben, und unser Bildungssystem anreizverträglich gestalten. Das dachten sich wohl auch die weisen Männer von Economiesuisse; von denen, und das muss an dieser Stelle gesagt werden, wohl die meisten, wären sie mit ihrem selbsterdachten Gebührensystem konfrontiert worden, nicht ihre aktuellen Stellen inne hätten, sondern viel eher nach dem fehlenden “Stutz” oder “Münz” fragend durch die Unterführung örtlicher Bahnhöfe ziehen würden. Was ist der Dank für diese Barmherzigkeit, die ihnen ihren Elefantenledersessel beschert hat? Sie wollen unser Bildungssystem, welches nach dem Motto “Bildung für alle” funktioniert, über den Haufen werfen, und durch ein Bonzen und Streber bevorzugendes System ersetzen. Denn für jene Studenten, die nur haarscharf durch die Examen rutschen, sollen die Gebühren bis auf CHF 10′000.- ansteigen können. Kein Platz also für Normalsterbliche. Und der mittelmässige Student? Man dürfte sich die Preisklasse wohl selbst denken können. Eine Unverschämtheit und gleichzeitig ein Schritt, der einem Rückfall ins dunkle Mittelalter gleichkommt. Immerhin, ein allfälliger Nebenjob soll in die Leistungsmessung miteinbezogen werden. So kann man sich seine Fünftausend pro Semester wenigstens in den Nächten und an den Wochenenden erarbeiten und sich tagsüber darum kümmern, dass die Studiengebühren nicht von fiesen, unsichtbaren Händchen in schwindelerregende Höhen gehoben werden.
Freier Markt ist gut, gesunder Menschenverstand ist besser. Aber den kann man eben nicht auswendig lernen. Schade eigentlich, es käme bestimmt vielen Leuten entgegen.

2 Antworten zu “Wenn Economiesuisse denkt…”

  1. MrOrange sagt:

    “Freier Markt ist gut, gesunder Menschenverstand ist besser. Aber den kann man eben nicht auswendig lernen. Schade eigentlich, es käme bestimmt vielen Leuten entgegen.”

    Der Spruch gefällt mir gut! Meiner Meinung nach sollten die Studiengebühren einheitlich sein. Für gute und sehr gute Abschlüsse können ja auch nachträglich Gebühren erlassen werden.

    Schöne Grüße aus Göttingen
    MrOrange

  2. lebedeph sagt:

    So ist es. Interessantes Blog übrigens, die Studentenleiden kann ich gut nachvollziehen. Mal schauen, ob ich zum einen oder anderen Thema auch mal was schreibe.

    Beste Grüsse aus dem dösigen St.Gallen,

    Lebedeph

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