Montagmorgen

Mai 19, 2008

Wie gewohnt wird es zum ersten Teil der Prüfungszeit (der zweite folgt dann in ein paar Wochen) ein wenig ruhiger. Ausserdem will der Sommer und die Zeit danach geplant werden. Fussball, Openairs, Ferien am Strand und Austausch. Nur die Prüfungen stehen dem einmal mehr im Weg.
Diese Wartepause ist aber gar nicht mal so schlecht. Die Krawalle in Manchester scheinen die Stadt ganz schön mitgenommen zu haben. Ich würde dann gerne durch eine gehegtes und gepflegtes Städtchen lustwandeln, please.
Ausserdem belegte das St.Gallen Symposium wärend der ganzen letzten Woche wohl etwa die Hälfte des Unigeländes. Zutritt verboten, Verdacht auf Cervelat-Terrorismus. Die Vielzusagenhabenden, welche am Symposium ihre Weisheiten von sich gaben, wurden anscheinend schon unter Denkmalschutz gestellt. Mit besonderem Interesse las ich einen Artikel über den Vortrag von Daimler-Chef Zetsche. Ein Mann mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund äussert sich zum Thema Globalisierung. Seine Hauptsaussage feinsäuberlich mit dem Schlagwort “glokal” zusammenfassend beteuerte er zwar, dass im Schlagworte widerstrebten. Hinter dem Kreativwort steckt, was wir alle vorher nicht gewusst haben, dass es auf dieser Welt auch lokale, soziokulturelle (ein Erbe aus meiner Zeit als Organsisationslehre-Sklave) unterschiede gibt, gepaart mit weltweiten Gemeinsamkeiten, wie beispielsweise dem Hang zur Selbstzerstörung, den ich hier frei und ohne um Erlaubnis gefragt zu haben den Worten des Herrn Zetsche angefügt habe. Erleuchtet von dieser Tatsache, dass Globalisierung nicht mit einer Elimination sämtlicher zwischenmenschlicher Unterschiede oder der künstlichen Einebnung kultureller Topographie (ein Erguss eigener geistiger Untätigkeit) gleichzusetzen ist, mache ich mich nun ans Werk, um die ersten prüfungsrelevanten Zeilen in mein Schrumpfhirn zu drücken und werde dabei versuchen, mich nicht an Wortkreationen wie “Ne(x)t Generation” oder “Change Management”, wie sie in den Traktaten zur modernen Wissenschaft vielseitige Vertretung finden, zu stören.
Und noch etwas, bevor ich es vergesse: Heute und nächsten Mittwoch finden die letzten Aufführungen des Studententheaters “Ladie’s Night” in der Grabenhalle St.Gallen statt. Eintritt 10.-, was sich als bessere Investition herausgestellt hat, als ich sie schon bei so manchem Kinofilm getätigt habe. Also geht hin, frivoles Frauenvolk, es gibt nacktes Mannesgut zu bewundern. Und für die Männer gilt es sich ebenfalls köstlich zu amüsieren und vielleicht auch das eine oder andere zu lernen, wenn sich die Theatercrew der Frage “Was Frauen wollen” annimmt.


Kleidervorschrift für die Fans

Mai 8, 2008

Ich bin kein grosser Fussballfan. Der Versuch, mir auf die Euro hin Fröhlichkeit zu diktieren, ist gehörig fehlgeschlagen. Die Initiative “Österreich zeigt Rückgrat” unseres Mitgastgebers zeugt immerhin von Anstand und Selbstbewusstsein, welche sich die Österreicher bewahrt haben. Anstand deshalb, weil es sich nicht gehört, Menschen mit schlechtem Fussball zu belästigen. Selbstbewusstsein deshalb, weil sie sich bewusst sind, das sie selbst keinen guten Fussball spielen, und ihr Platz um der Qualität wegen doch an eine bessere Mannschaft, wie bspw. England, vergeben werden sollte. Dieser Anstand fehlt den Schweizern völlig. Als hätten wir den Schnee in den Bergen aus Kolumbien importiert, ereifert man sich hier in Gesprächen über Halbfinalchancen und entsprechende Taktiken, welche die Nationalelf dorthin bringen würden. Verlust jeglichen Sinns für die Realität. So bleibt nur zu hoffen, das es kurz und schmerzlos geschieht, so dass sich später niemand mehr dran erinnert, und ich mir an den Flughäfen nicht noch Jahre später ins Gesicht gelacht wird, wenn ich meinen Schweizer Pass hervorkrame.
Aber nicht überall sind die Emotionen angesichts der kommenden Europameisterschaft so abgehoben, wie bei den Fans. Die Schweizer Wirtschaft zumindest bleibt eiskalt. Erinnert sich noch jemand an die Legende aus der USA, in welcher ein Schüler am “Cola-Day” seiner Lehranstalt mit einem Pepsi-T-Shirt aufkreuzt und darauf hin von der Schule verwiesen wird? Ja, bis heute habe ich darüber nur müde lächeln können. Die spinnen, die Amis. In Good Old Europe kein Thema, schon gar nicht in der Schweiz. Weit gefehlt. Zwar trifft es hier nicht die Schulen, aber immerhin die Fanzonen, oder mit anderen Worten den öffentlichen Raum. Details nachzulesen gibt es zum Beispiel hier, hier oder hier. Das wichtigste in Kürze: In den Fanzonen in Zürich dürfen Fans keine Kleidung mit Aufdrucken von Logos und Labels von Nicht-Sponsoren tragen. Ansonsten werden sie von der Fanzone verwiesen. Zwar wurde die anfangs krass anmutende Meldung mittlerweilen etwas entschärft: einzelne Fans würden wegen einem “falschen” Baseballcap noch nicht aus der Fanzone geworfen. Erst wenn gemäss Zürichs Euro-Delegiertem Daniel Rupf “Dutzende Leute das Logo eines Nicht-Sponsors tragen, würde man einschreiten”. Dies geschieht, um sogenanntem Ambush-Marketing vorzubeugen. Ich sehe schon, wie Headhunter auf den Dächern sitzen und mit Ferngläsern und Funkgeräten bewaffnet fleissig Logos zählen und Jagd machen auf die abtrünnigen Freidenker. Was aber anscheinend niemand bedacht hat: Würde tatsächlich ein Nicht-Sponsor mit einer solchen Aktion Aufmerksamkeit erregen wollen, so ist sie ihm dank dieser Vorsichtsmassnahme nun auch gewiss. Denn wenn anscheinend harmlose Leute von schwarzen Männern in Anzügen aus der Masse gezerrt werden, bleibt das bestimmt nicht unbemerkt. Dennoch eine wahrscheinlich sehr geistreiche Idee, deren Sinn sich aber zur Zeit nur dem göttlichen Genie eines Marketingverantwortlichen erschliessen will. Ich muss da glücklicherweise passen, denn ich schwöre lieber auf Teufels Logik.


Es stinkt

Mai 6, 2008

Kaum treffen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen bei uns ein, habe ich schon wieder genug von heissen Sommertagen. In der Stadt ist es kaum auszuhalten: Die Hitze wirkt wie ein gewaltiger Verstärker, welcher das olfaktorische Orchester der Metropole zu einem wahrlich umwerfenden Geruchskanon kanalisiert. Morgens im Zug tränen mir die Augen von den ganzen Deosprays und Parfums, die sich ein jeder, und insbesondere mein Sitznachbar, in Unmengen unter die Achseln gesprayt hat. Am Abend wartet die Bundesbahn mit einer exquisiten Duftmischung aus Schweiss, McDonalds und Alkoholausdünstungen auf, mit welcher man den Belzebub selbst aus der Hölle jagen könnte. In der Stadt selbst trocknen und dampfen undefinierbare Flüssigkeiten in allen Farben und von unterschiedlichen Konsistenzen vor sich hin. Und wagt man bei einem abendlichen Lauf tatsächlich die Flucht ins Grüne, liegt dort bestimmt schon der Dung auf den Feldern, dessen Gestank die Geruchsrezeptoren entgültig wegätzt. Und so erwische ich mich schon an den ersten Sonnentagen dabei, wie ich mir einen wohlriechenden Regentag herbei wünsche, welcher die Schweissdrüsen entspannt, die Strassen spült und die Alkoholiker in ihren Buden hält.


Lebedeph hasst: Baustellen

Mai 6, 2008

Meine geliebte Universität befindet sich bereits seit geraumer Zeit in einer Art Umbauphase. Berge von Dreck, laute Baumaschinen und ein trauriges Lehr- und Lernprovisorium, welches sich durch viel Sichtbeton und fehlenden Mobilnetzempfang auszeichnet. Insgesamt ein Desaster der Stufe 6 von 10. Eigentlich gar nicht mal so schlimm, würde es nicht den Rest meiner Studienzeit anhalten. Bis 2011 oder so. Dazu kommen diese viele Studenten: der Campus ist für 3′500 Studis angelegt, momentan schlawinern und studieren 5′000 an der Uni St.Gallen. Stuhlraub und Platzklau sind an der Tagesordnung. Aber der Gipfel kommt erst: Wer glaubt, die Bauerei diene der Campuserweiterung, so dass sich zukünftige Generationen nicht in einen darwinistischen Überlebenskampf um Luft und Platz in den Vorlesungsräumen stürzen müssen, der irrt. Es gibt eine neue Sporthalle, eine neue Mensa, eine Tiefgarage (hauptsächlich für Dozierende) und die alten Vorlesungsräume werden saniert. Gewonnener Platz: 0. Ob dann wenigstens die Prüfungen wegen Platzmangel nicht mehr in die städtischen Festhallen verlegt werden müssen… wer weiss.

Ich freue mich schon auf die nächste Startwoche und den Augenblick, in dem ich als Tutor den neuen Studis erklären darf, weshalb sie auf einer Baustelle studieren, weshalb Kurse nun grösstenteils in einem hässlichen und mit Werbung zugekleisterten Lehrprovisorium stattfinden, wieso sie ihre Prüfungen in einer Festhalle schreiben werden, wieso sie auch am Ende der Bauzeit nicht mehr Platz haben werden und wofür sie, verdammt noch mal, die höchsten Studiengebühren des Landes zahlen!


Extrazug und Damentheater

Mai 5, 2008

Trotzdem nicht nur ein Fluch, das Bologna-System. Nach einer etwas bestimmteren Nachfragen einer meiner zukünftigen Mitreisenden, hat sich die Anrechnungsstelle unserer Uni dazu durchgerungen, uns auch die Pflichtfächer im Austausch anzurechnen. Zwar wurde das Wort “Ausnahme” schon fast penetrant betont, ist mir aber egal. Sollen sich andere weiter mit Credits, Anrechnungs- und Umrechnungsprozederen rumärgern. Dank meiner Zusatzausbildung in Wirtschaftspädagogik bin ich eine offiziell beglaubigte Ausnahme (was ich schon lange wusste), was mich zur Benützung der Extrabahn qualifizert. Ich danke und wünsche allen weiterhin viel Vergnügen.

Und noch ein wenig Werbung muss ich machen. Für unser Unitheater nämlich, welches bald mit dem Stück “Ladies’ Night” für ein paar heisse Skandale sorgen wird. Hoffen ich. Dann müsste ich mir nämlich nicht mehr die Nächte auf der Suche nach einer Artikelidee für unsere Studentenzeitung um die Ohren schlagen. Nein, selbstverständlich hege ich keine solchen egoistischen Gedanken, sondern hoffe vielmehr, dass die Jungs & Mädels ihren verdienten Applaus kriegen. Braucht schliesslich eine Menge Mut, seinen guten Ruf und zukünftigen Werdegang für ein Theaterstück aufs Spiel zu setzen. Wobei 10.- CHF für das Stück doch relativ happig ist. Aus studentischer Sicht zumindest. Wo fliesst das Geld denn bitte hin? So wie ich einige der Herren kenne ist der Fall klar. Nun denn, was will man machen. Junge Talente soll man fördern, oder ihnen mit dem Geld ein Leben ohne Schauspielerei ermöglichen. So oder so, eine gute Tat ist’s allemal.