Wie mühsam so ein Studentenleben sein kann. Ständig diese sich gegenseitig ausschliessenden Möglichkeiten. Ausschlafen oder doch Vorlesung besuchen? Diese sind doch meistens langweilig, und trotzdem schleppt man sich Tag für Tag in den Hörsaal. Mit einer Gewissensamputation könnte man wahres Geld verdienen. Glücklicherweise erledigt sich dieses Problem morgen von alleine, Jesus und Ostermontag sei Dank. Weshalb feiern wir das ganze nochmal? Ja genau, weil der Papa im Himmel höchstselbst bewiesen hat, das auch er nicht der mit allen Wässerchen gewaschene Unternehmer ist. Betrachtet man nämlich die Institution Gott als ein Unternehmen - GOD Inc., ganz dreckig von der Serie geklaut - lässt sich die Geschichte um Ostern plötzlich mit ganz anderen Augen lesen. Und ganz so abwegig ist das nicht. Gegeben das Verhalten von modernen Kirchen, Sekten uns sonstigen Glaubensgruppierungen, wird einem schnell klar, dass Religionen (und damit irgendwo auch Gott) durchaus eine gewissene Affinität zum Unternehmertum besitzen. Aber jetzt zur eigentlichen Oster-Fallstudie:
Die GOD Inc. ist ein mittelständisches Unternehmen, welches sich seit seiner Gründung (Datum unbekannt) auf die Produktion von Religion und Glauben spezialisiert hat. Die Unternehmung agierte seit jeher in einem schwierigen Marktumfeld. Während mit der Zielgruppe Mensch ein natürlich begrenzter und bereits gesättigter Absatzmarkt vorliegt, kämpfen andere Weltreligionsfirmen unerbittlich um noch so kleine Umsatzprozente. Da eine schiedsrichtende Institution auf dieser Ebene völlig fehlt, schreckt die Konkurrenz bis heute nicht vor exzessiver Gewaltanwendung zurück.
Vor diesem Hintergrund möchten sie, die GOD Inc., ein neuartiges Produkt auf den Markt bringen, welches ihnen schlagartig den gesamten westlichen Markt erobern soll. Das Ziel ist hoch gesteckt, jedoch sind sie zuversichtlich. Denn schliesslich haben sie sämtliche Ressourcen der letzten Jahrzehnte in die F&E-Abteilung gepumpt. Innovation und Nachhaltigkeit haben sich fest im Denken ihrer Mitarbeiter verankert. Dementsprechend stolz stehen sie vor ihrem Produkt: G-sus™ soll es heissen ist vorerst nur als Einzelanfertigung und durch Personal Selling erhältlich.
Doch schon der Launch des Produktes bringt erste Schwierigkeiten mit sich. Die lokale Wettbewerbskomission (WeKo) will ihren Markteintritt verhindern, und in einer bis dato unbekannten Härte verhängt sie ein Verbot ihres Produktes. Im Laufe der Zeit schaffen sie es durch Guerilla-Marketing trotzdem, 12 Kunden zu gewinnen, welche ihnen bei ausserdem bei der Distribution behilflich sind. Und tatsächlich feiern sie trotz der widrigen Umstände grosse Erfolge. Ein stetig steigendes Word of Mouth und eine sehr hohe Markentreue stellen sich ein. Die WeKo sieht sich angesichts dessen vorerst in die Defensive gedrängt und lässt sie widerwillig gewähren. Dennoch ist ihnen G-sus™ ein Dorn im Auge, und im Stillen werden bereits Verdrängungspläne geschmiedet.
Durch den anhaltenden Erfolg hat sich in ihrer Marketingabteilung bereits Euphorie breit gemacht. So wird unbemerkt einer Ihrer Keyaccounts, die Tochterfirma JUDǺS, von der Weko aufgekauft. Mit den sensiblen Kundeninformationen gelingt es ihnen denn auch, G-sus™ auflaufen zu lassen.
Der Schock sitzt tief, dennoch schaffen sie es mithilfe ihrer paralysierten Marketingabteilung und einem enormen Kraftaufwand, eine letzte Kampagne zu starten. Allen Kunden, welche versprechen, bis zum Re-Launch von G-sus 2™ die Markentreue zu halten, wird eine Urlaubsreise nach Eden verheissen. Ausserdem ist es möglich, durch Missionierungen und Kundenclubaktivitäten (in sog. ‘Churches’ und ‘Monasteries’) zusätzliche Meilen zu sammeln, um sich so die Chance auf einen FirstClass-Flug zu sichern.
Trotz allem: Die GOD Inc. ist ausgepowert. Sämtliche Liquiditäten wurden von dieser letzten Kampagne aufgebraucht. Dennoch sehen sie mit Befriedigung die bombastische Wirkung - immer mehr Menschen warten auf G-sus 2™. Das Produkt wird aber vorerst nicht erscheinen. Zu knapp sind ihre Mittel, die F&E-Abteilung sowie sämtliche Produktionsanlagen und Fertigungslinien mussten sie verkaufen oder verpfänden. Und so ein Re-Launch ist teuer. Ausserdem müssten sie zuerst ihr Produkt up-to-date bringen, Innovation und unternehmerisches Denken müssen wieder Eingang in die Firmenkultur finden, welche sich bis zuletzt nur noch auf G-sus™ fokussiert hatte. Der heilige Firmengeist muss zurückgewonnen werden.
So sitzen sie auf ihrem himmlischen Stuhl und grübeln über das weitere Vorgehen.
Entwerfen sie für die GOD Inc. eine SWOT-Analyse und zeigen sie konkrete Entwicklungspfade auf. Formulieren sie ein Memo mit konzisen Handlungsempfehlungen für den CEO der GOD Inc.
(Bestimmt wird sich die Geschäftsleitung darüber freuen. Noch mehr wird sie sich aber über einen kleinen Kredit freuen. Den gibts bekanntlich auf den Finanzmärkten; und auch dort sind Gewinne im Moment ja vor allem Eins: Glaubenssache.)
Frohe Ostern!