Wenn Economiesuisse denkt…

April 24, 2008

…wirds gefährlich. Ökonomen sollte man viel Geld geben, damit sie nicht denken. Diese Berufsgruppe nennt man dann Manager, und ist für sich genommen recht harmlos. Weigert man sich aber, diesen Obolus an den Weltfrieden zu entrichten, dann passieren Sachen wie die folgende: Ein wenig ungläubig las ich heute Morgen diesen Artikel: Economiesuisse, der Wirtschaftsdachverband der Schweiz, verlangt leistungsabhängige Studiengebühren. Eine sehr dreiste Forderung, obwohl sie vielleicht auf den ersten Blick gerechtfertigt scheint. Schliesslich wollen wir ja alles das anwenden, was wir einmal vor Unzeiten im Audimax gelernt haben, und unser Bildungssystem anreizverträglich gestalten. Das dachten sich wohl auch die weisen Männer von Economiesuisse; von denen, und das muss an dieser Stelle gesagt werden, wohl die meisten, wären sie mit ihrem selbsterdachten Gebührensystem konfrontiert worden, nicht ihre aktuellen Stellen inne hätten, sondern viel eher nach dem fehlenden “Stutz” oder “Münz” fragend durch die Unterführung örtlicher Bahnhöfe ziehen würden. Was ist der Dank für diese Barmherzigkeit, die ihnen ihren Elefantenledersessel beschert hat? Sie wollen unser Bildungssystem, welches nach dem Motto “Bildung für alle” funktioniert, über den Haufen werfen, und durch ein Bonzen und Streber bevorzugendes System ersetzen. Denn für jene Studenten, die nur haarscharf durch die Examen rutschen, sollen die Gebühren bis auf CHF 10′000.- ansteigen können. Kein Platz also für Normalsterbliche. Und der mittelmässige Student? Man dürfte sich die Preisklasse wohl selbst denken können. Eine Unverschämtheit und gleichzeitig ein Schritt, der einem Rückfall ins dunkle Mittelalter gleichkommt. Immerhin, ein allfälliger Nebenjob soll in die Leistungsmessung miteinbezogen werden. So kann man sich seine Fünftausend pro Semester wenigstens in den Nächten und an den Wochenenden erarbeiten und sich tagsüber darum kümmern, dass die Studiengebühren nicht von fiesen, unsichtbaren Händchen in schwindelerregende Höhen gehoben werden.
Freier Markt ist gut, gesunder Menschenverstand ist besser. Aber den kann man eben nicht auswendig lernen. Schade eigentlich, es käme bestimmt vielen Leuten entgegen.


Momentaufnahme

April 24, 2008

Lebedeph liest: Pure Anarchie von Woody Allen

Lebedeph hört: Third von Portishead

Lebedeph schreibt: einen Artikel über die gesellschaftliche Verweiblichung für die Studentenzeitung

Lebedeph sieht: Full Metal Panic

Lebedeph denkt: Manchmal denke ich, ich denke zuviel.


Der Bologna-Fluch

April 23, 2008

Das sogenannte Bologna-”System” sollte ja der Verheinheitlichung der europäischen Studiengänge dienen. Für gleiche Leistungen werden gleichviele Credits vergeben. Ganz sinnvoll, dachte zuerst auch der Austauschstudent in mir. Der erste Kontakt mit der Anrechnungsstelle - jene Stelle, welche an meiner Uni prüft, wieviel wert die ausländischen Credits wirklich sind, wird für mich fortan nur noch als Fluch von Bologna betitelt werden - fiel daher auch ganz ernüchternd aus. Hier mal drei Credits, dort mal vier, Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet. Da ich über eine gesunde Darmflora verfüge, hielt sich der Schaden durch die überschäumende Galle in mir in Grenzen. Dennoch war und bin ich stinksauer: Einerseits eine ausgereifte Integration in das Bologna-System häucheln, andererseits umfangreiche, renommierte Kurse einer Austauschuni “aus Prinzip” nicht anrechnen. Diese arrogante Haltung, welche die Qualität der eigenen Kurse diskussionslos und unbegründet über jene der Austauschunis stellt, ist unfassbar, und die “Begründung”: Pflichtfächer werden grundsätzlich nicht angerechnet, einfach nur ein schlechter Witz. Und wohlgemerkt, wenn ich von meiner Austauschuni spreche, meine ich nicht eine windige Bretterbude mitten im Amazonas, sondern die zweitgrösste Uni des UK, ein Uni von Welt. Ich gebe zwar nicht viel auf den Ruf, der sich erfahrungsgemäss nur allzu schnell in einen Nachruf wandeln kann, dennoch wäre doch ein wenig mehr Achtung wünschenswert. Falls es jemanden interessiert. Und sonst, seid gewarnt.


Gruppenarbeit

April 18, 2008

Diese Tage musste ich wieder eine bittere Pille schlucken, deren üblen Nachgeschmack ich auch nicht durch Konsum von TicTacs in abführenden Mengen loswurde. Ja, das Leiden beginnt einmal mehr mit einer Gruppenarbeit. Wobei, mit Gruppenarbeit übertreibe ich bereits. Organisierte Arbeitsteilung trifft es wohl eher, denn sämtliche Charakteristiken einer gut funktionierenden Gruppe glänzten mit Abwesenheit. So meldete ich mit einer Leidensgenossin zur Schreibarbeit, während ich dem Rest der Gruppe die Ausarbeitung und Realisierung der Präsentation überliess. Trau, schau, wem - nützliche Worte, so im nachhinein. Die Präsentation als Katastrophe zu bezeichnen, entspräche immer noch nicht dieser Darbietung, welche der Dozent im Anschluss mit einem viertelstündigen Verriss kommentierte. Als eigentlich unbeteiligter Schreiberling traf mich der Kommentar doch sehr, wurde doch durch ihn auch mein, dank mehrsemestriger Hege und Pflege aufkeimendes Menschenvertrauen wie von einem bleiernen Titanenfuss in die dunkleren Sphären meiner Seelenwelt zurückgestampft. Ausserdem schlägt die schlechte Bewertung in dieser lieblosen Welt direkt auf meinen Leistungsausweis durch. Und trotz einer gewissen Egalität, welche ich solchen Zensuren mittlerweilen entgegenbringen kann, reagiere ich immer noch mit scheinbar epileptischen Anfällen (man könnte es tatsächlich auch als wild rudernde Gestik bei gleichzeitigem verbalen Bröckelhusten bezeichnen) auf so ein unverschuldetes Senkblei in meinem Zeugnis.
Für den nächsten Sonntag wurde auf jeden Fall schon ein achtstündiger Termin ausgehandelt, an dem wir die ganze Arbeit plus Inhalt 1) ganz neu erfinden und 2) zu einer wasserdichten Arbeit verdichten wollen. Bei sovielen Kastanien, die es da aus dem Feuer zu holen gibt, regt sich schon der Maronenbrater in mir. Und wer weiss, vielleicht wird am kommenden Sonntag ein unschuldiges Gruppenmitglied von einem fliegenden Maronenbratgerät erschlagen, welches ein geschundener Student in einem unkontrollierten Anfall aus dem Fenster geschmissen hat.


Krank

April 13, 2008

Nach einer herrlichen Erkältung, die mich sämtlichen Freiraum während meiner vorlesungsfreien Zeit gekostet hat, bin ich nun in Phase 6 angelangt. Trockener Husten, bis der Schädel platzt. War schon lustig mit rotem Kopf in die Blockseminare zu sitzen und mit einem Fünfkilofrosch im Hals die Prüfungspräsentation zu halten. Aber man kann sichs nun mal nicht aussuchen. Trotzdem frag’ ich mich bei jeder Erkältung wieder, warum es medizinisch möglich ist, sich seinen Arsch ins Gesicht zu verpflanzen, aber mit der Erkältung eine der am häufigsten viralen Infektionen immer noch unheilbar ist. Na, egal, die Welt hat mich wieder, als Virenschleuder nämlich; die nächsten 3 Tage/Phasen habe ich nun Zeit, mein Leid mit ungeliebten Menschen zu teilen. Am liebsten mit einem Homöopathenfutzi; einer von der Sorte, die sich permanent gegen Impfungen sträubt. Krank soll’n sie sein, und ihre Kaktushustensäftchen trinken. Dann bleiben uns auch solche Miniepidemien erspart. Einfach krank, dass sowas in der modernen Zivilisationen noch vorkommt.


Film des Tages: Fitna

März 27, 2008

GeertWilders Fitna Ein Film von Geert Wilders. Von Antisemetismus über Extremismus und Sexismus zeigt der antiislamische Film des niederländischen Rechtspopulisten und Politiker des Jahres, Geert Wilders, so ziemlich alle schlechten Seiten des Islams. Auch die bekannten Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Zeitung “Jyllands Posten” werden gezeigt.

Der Film soll auf http://fitnathemovie.com/ für die Internetcommunity zur Verfügung gestellt werden. Im Moment erscheint jedoch nur die Meldung “This site has been suspended while Network Solutions is investigating whether the site’s content is in violation of the Network Solutions Acceptable Use Policy.” Gemäss User Policy des Providers www.networksolutions.com sind Inhalte mit folgenden Charakteristika verboten: obscene, defamatory, libelous, unlawful, harassing, abusive, threatening, harmful, vulgar, constitutes an illegal threat, violates export control laws, hate propaganda, etc. Zwar sind die gezeigten Bilder unverhohlen einseitig ausgewählt, dennoch zeigen sie einen Teil der Realität.
Inwiefern der Film deshalb eines der oberen Kriterien tangiert, ist in meinen Augen nicht offensichtlich. Ganz im Gegenteil, zeugt diese Reaktion des Providers, aber auch der auf diesen Film doch genau wo der Schuh drückt, nämlich bei der absoluten Unfähigkeit der heutigen Gesellschaft, mit dem Thema Islam umzugehen. Dies gilt für Nicht-Muslime genau so wie für die Vertreter und Anhänger dieser Glaubensrichtung selbst. Insofern ist es mir eigentlich *”*%egal wie einseitig und populistisch, wie billig geschnitten und provokativ aufgezogen der Streifen ist. Wichtig ist allein die Tatsache, den Issue Islam zu thematisieren. Schliesslich schwirren auf YouTube antichristliche Filmchen und Videos zu Hunderten herum, und wenn ein schlitzohriger Satiriker am Fernsehen über seine Dreifaltigkeit lästert, schreit kein Hahn danach - schon gar nicht dreimal. Und dass sich deswegen ein Provider sperrt: praktisch undenkbar. Und jetzt Fitna, Polizeischutz, Ängste vor Unruhen und bärtigen Bombenschwingern. Vorgeführt wird mit diesem Film in erster Linie nicht der Islam, sondern die gesamte westliche Welt.

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Update 1: Hier gehts zum Film! Der Film wurde von Live Leak entfernt. Nach Angaben der Betreiber gab es ernsthafte Drohungen gegen Mitarbeiter von Live Leak. Und wie Live Leak selbst beteuert ist heute: Ein trauriger Tag für die Meinungsfreiheit. Zum Glück ist das Internet nicht sehr vergesslich, deshalb hier:

Fitna - The Movie auf YouTube

Und hier:

Fitna - The Movie auf Yahoo

Update 2: Eine mehr oder weniger qualifizierte Stellungsnahme zum Film von Wilders persönlich gibts hier.
Ebenso qualifiziert waren die Aussagen von Betroffenen, welche in einem Interview mit 10vor10 (SF1) Stellung zum Film machten (Link s. Beitrag “Niederlande: Terror-Alarm wegen Film”). Da wurde tatsächlich postuliert, dass es falsch sei, einen Extremisten zu provozieren, in dem man einen solchen Film veröffentlicht, oder mit anderen Worten: Der Extremist hat ja jedes Recht dazu, andere zu töten, wenn man ihn derart provoziert. Tut mir leid, aber mit dieser Geisteshaltung würden sich solche Leute ins Lächerliche ziehen, wenns nur nicht so traurig wäre. “Ein Anschlag ist direkt die Schuld des Terroristen, aber der hat dann seine Legitimation in dem gefunden, über das wir nun sprechen. Man kann das eine nicht losgelöst vom anderen sehen”. Der holländischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende bestätigt mit dieser Aussage und der dahinterstehenden Scheinlogik das Bild des handlungsunfähigen Westens.


Menschenrechte vor Olympiade in Peking ‘08

März 25, 2008

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Irgendwas muss ich noch dazu schreiben. Einfach etwas, etwas das man sieht, das manch einer liest und vielleicht sogar den einen anderen dazu bringt, diese Petition von Reporter ohne Grenzen (RoG) zu unterschreiben. Gute Sache in meinen Augen, auch wenn es wahrscheinlich nicht die Welt retten wird. Übrigens sind auch die geschätzten Herren Bannerträger, welche die olympische Fackelzeremonie gestört haben, Mitglieder bei RoG. Sie werden nun wegen “Missbrauch nationaler Symbole” in Griechenland verurteilt. Ihnen drohen Haft- (bis zu 1 Jahr) und Geldstrafen (offizielle Pressemitteilung).
Aber nun zurück zum grossen Brocken: In China liegt vieles im Argen, nicht nur das Politikum Tibet. Alleine nur, was Menschen angetan wurde, um diese Olympiade zu ermöglichen, von Enteignung bis zur Zwangsumsiedlung, ist für einen Laien wie mich eigentlich schon Grund genug, das Projekt Peking 2008 noch einmal zu überdenken. Und wenn in einer Zeitung der Vergleich zu den Spielen von 1936 gezogen wird, und ich an die Vorliebe von menschenverachtenden Regimen für den sportlichen Wettkampf erinnert werde, weckt das in einem Nichtfachmann wie mir ein ganz kleines, aber dennoch ungutes Gefühl. Aber wie gesagt, ich bin nur ein kleines unwissendes Kind, dass sich auf dem aalglatten Diplomatenparkett nicht auskennt. Vielleicht bringt die Olympiade ja wirklich die Integration Chinas in die Weltgemeinschaft, und vielleicht ist China dann tatsächlich unter Druck, menschenwürdige Bedingungen für seine Bewohner zu gewährleisten. Also schalten wir Interessierten unsere Kabelfernseher, unsere Satelittenschüsseln und unsere Breitbandinternetanschlüsse ein, wenn es heisst: Peking 2008; Wo die Rekorde purzeln und die Massen jubeln - so als ob sonst nichts wäre. Und hoffen wir, dass es das wert ist.


Fallstudie zu Ostern

März 24, 2008

1_650858447m Wie mühsam so ein Studentenleben sein kann. Ständig diese sich gegenseitig ausschliessenden Möglichkeiten. Ausschlafen oder doch Vorlesung besuchen? Diese sind doch meistens langweilig, und trotzdem schleppt man sich Tag für Tag in den Hörsaal. Mit einer Gewissensamputation könnte man wahres Geld verdienen. Glücklicherweise erledigt sich dieses Problem morgen von alleine, Jesus und Ostermontag sei Dank. Weshalb feiern wir das ganze nochmal? Ja genau, weil der Papa im Himmel höchstselbst bewiesen hat, das auch er nicht der mit allen Wässerchen gewaschene Unternehmer ist. Betrachtet man nämlich die Institution Gott als ein Unternehmen - GOD Inc., ganz dreckig von der Serie geklaut - lässt sich die Geschichte um Ostern plötzlich mit ganz anderen Augen lesen. Und ganz so abwegig ist das nicht. Gegeben das Verhalten von modernen Kirchen, Sekten uns sonstigen Glaubensgruppierungen, wird einem schnell klar, dass Religionen (und damit irgendwo auch Gott) durchaus eine gewissene Affinität zum Unternehmertum besitzen. Aber jetzt zur eigentlichen Oster-Fallstudie:

Die GOD Inc. ist ein mittelständisches Unternehmen, welches sich seit seiner Gründung (Datum unbekannt) auf die Produktion von Religion und Glauben spezialisiert hat. Die Unternehmung agierte seit jeher in einem schwierigen Marktumfeld. Während mit der Zielgruppe Mensch ein natürlich begrenzter und bereits gesättigter Absatzmarkt vorliegt, kämpfen andere Weltreligionsfirmen unerbittlich um noch so kleine Umsatzprozente. Da eine schiedsrichtende Institution auf dieser Ebene völlig fehlt, schreckt die Konkurrenz bis heute nicht vor exzessiver Gewaltanwendung zurück.
Vor diesem Hintergrund möchten sie, die GOD Inc., ein neuartiges Produkt auf den Markt bringen, welches ihnen schlagartig den gesamten westlichen Markt erobern soll. Das Ziel ist hoch gesteckt, jedoch sind sie zuversichtlich. Denn schliesslich haben sie sämtliche Ressourcen der letzten Jahrzehnte in die F&E-Abteilung gepumpt. Innovation und Nachhaltigkeit haben sich fest im Denken ihrer Mitarbeiter verankert. Dementsprechend stolz stehen sie vor ihrem Produkt: G-sus™ soll es heissen ist vorerst nur als Einzelanfertigung und durch Personal Selling erhältlich.

Doch schon der Launch des Produktes bringt erste Schwierigkeiten mit sich. Die lokale Wettbewerbskomission (WeKo) will ihren Markteintritt verhindern, und in einer bis dato unbekannten Härte verhängt sie ein Verbot ihres Produktes. Im Laufe der Zeit schaffen sie es durch Guerilla-Marketing trotzdem, 12 Kunden zu gewinnen, welche ihnen bei ausserdem bei der Distribution behilflich sind. Und tatsächlich feiern sie trotz der widrigen Umstände grosse Erfolge. Ein stetig steigendes Word of Mouth und eine sehr hohe Markentreue stellen sich ein. Die WeKo sieht sich angesichts dessen vorerst in die Defensive gedrängt und lässt sie widerwillig gewähren. Dennoch ist ihnen G-sus™ ein Dorn im Auge, und im Stillen werden bereits Verdrängungspläne geschmiedet.

Durch den anhaltenden Erfolg hat sich in ihrer Marketingabteilung bereits Euphorie breit gemacht. So wird unbemerkt einer Ihrer Keyaccounts, die Tochterfirma JUDǺS, von der Weko aufgekauft. Mit den sensiblen Kundeninformationen gelingt es ihnen denn auch, G-sus™ auflaufen zu lassen.

Der Schock sitzt tief, dennoch schaffen sie es mithilfe ihrer paralysierten Marketingabteilung und einem enormen Kraftaufwand, eine letzte Kampagne zu starten. Allen Kunden, welche versprechen, bis zum Re-Launch von G-sus 2™ die Markentreue zu halten, wird eine Urlaubsreise nach Eden verheissen. Ausserdem ist es möglich, durch Missionierungen und Kundenclubaktivitäten (in sog. ‘Churches’ und ‘Monasteries’) zusätzliche Meilen zu sammeln, um sich so die Chance auf einen FirstClass-Flug zu sichern.

Trotz allem: Die GOD Inc. ist ausgepowert. Sämtliche Liquiditäten wurden von dieser letzten Kampagne aufgebraucht. Dennoch sehen sie mit Befriedigung die bombastische Wirkung - immer mehr Menschen warten auf G-sus 2™. Das Produkt wird aber vorerst nicht erscheinen. Zu knapp sind ihre Mittel, die F&E-Abteilung sowie sämtliche Produktionsanlagen und Fertigungslinien mussten sie verkaufen oder verpfänden. Und so ein Re-Launch ist teuer. Ausserdem müssten sie zuerst ihr Produkt up-to-date bringen, Innovation und unternehmerisches Denken müssen wieder Eingang in die Firmenkultur finden, welche sich bis zuletzt nur noch auf G-sus™ fokussiert hatte. Der heilige Firmengeist muss zurückgewonnen werden.
So sitzen sie auf ihrem himmlischen Stuhl und grübeln über das weitere Vorgehen.

Entwerfen sie für die GOD Inc. eine SWOT-Analyse und zeigen sie konkrete Entwicklungspfade auf. Formulieren sie ein Memo mit konzisen Handlungsempfehlungen für den CEO der GOD Inc.

(Bestimmt wird sich die Geschäftsleitung darüber freuen. Noch mehr wird sie sich aber über einen kleinen Kredit freuen. Den gibts bekanntlich auf den Finanzmärkten; und auch dort sind Gewinne im Moment ja vor allem Eins: Glaubenssache.)

Frohe Ostern!


Frauentag an der Uni

März 16, 2008

http://www.web-junkies.de/wp-images/al_you.jpgGestern fand an meiner Uni ein toller Frauen-Vernetzungstag statt. Davon habe ich erst gar nichts bemerkt. Erst als sich nach einigen Stunden Studium meine Bedürfnisse meldeten und ich die Toilette aufsuchen wollte, wurde mir das Ausmass der Invasion bewusst. Weshalb Invasion? Nunja, die 30% Frauenanteil kann sich die Uni nicht gerade auf die Fahne schreiben. Dabei ist Wirtschaft doch so sexy. Dass sag ich mir immer wenn ich vor dem Spiegel stehe: “Hab ich ein geiles BIP!” Zurück zum Thema: Frauen. Breit gemacht hatten sie sich. Und auch die Herrentoiletten kurzerhand zur Damentoilette umfunktioniert. Einfach ein übergrosses, lila Venussymbol über das schwarze Strichmännchen geklebt, so geht das. Dieser Übermacht muss Mann sich wohl oder übel beugen. Und wenn die Damen die 20 Pissoirs für sich beanspruchen wollen, bitte, soll’n sie sie haben. Die moderne Frau kann auch ein Pissoir bedienen. Nachdem ich in einem unbeobachteten Moment meine Sorgen an eine Topfpflanze weitergegeben hatte, besorgte ich mir einen Kaffee und setzte mich an den Rand des kleinen Jahrmarktes, der sich da in der Aula wärend kürzester Zeit aufgeschlagen hatte. Überall standen mit kleinen Snacks bestückte Stehtischchen und drum herum Frauen. Sogar die Fachhochschule hatte ihre Zelte hier oben aufgeschlagen. Ein seltener Anblick an unserer Uni, werden Fachhochschulen sowie deren Absolventen hier ‘oben’ normalerweise mit einer, zumindest im Ansatz ganz klein wenig, gerümpften Nase beäugt. Neugierig geworden sah ich mir deshalb das Standspektrum ein wenig genauer an, und mit einem Schmunzeln stelle ich fest, dass einzig meine Uni mit keinem Stand vertreten war. Anscheinend stellte sie bloss den Raum für die Emanzipation zur Verfügung. Immerhin. Durch meine Holmes’sche Beobachtungsgabe fand ich heraus, dass gerade Pause war in einer Vorlesungsreihe, welche sich der Wiedereingliederung von Frauen mittleren und gehobenen Alters widmete. Und glücklicherweise erlebte ich auch das Ende der Pause mit, denn sonst wäre mir ein wirklich lustiges Schauspiel entgangen. Frauen mögen anscheinend den robotischen Klingelton nicht, welcher ansonsten uns Studenten Anfang und Ende von Vorlesungen verkündete. Stattdessen eilte eine ihresgleichen durch das Foyer, ohne dabei ununterbrochen auf einem goldenen Göngchen zu schlagen, wie es ansonsten nur buddhistische Mönche für ihre Meditation machen. Und wenn ein Grüppchen nicht schon auf dem Weg zurück ins Audimax war, dann stellte sich die Frau hinter dieses Grüppchen und gongte penetrant auf ihrem Spielzeuginstrument, bis sich die Versammlung auflöste. Wirklich ganz lustig. Die soll mal einer verstehen, die Frauen. Als dann fast alle verschwunden waren, machte ich mich über die verbliebenen Snacks her. Und das waren nicht wenige. Ausser den Vegibrötchen schien sonst nicht viel dem komplizierten Goût der Frauen entsprochen zu haben. Ich freute mich umso mehr über ein belegtes Brot mit Schinken und wollte mich damit gerade wieder gemütlich in meine Kaffeeecke zurückziehen, als eine Frau händewerfend auf mich zugehumpelt kam, und dabei den Zerfall der männlichen Sitte proklamierte. Da ich keine Waffe hatte und ich nicht im Nahkampf mit Schinkenbroten ausgebildet bin, entschied ich mich zur Flucht. Der alte Drache verfolgte mich noch einige Meter, doch an der Treppe hängte ich sie dann ab. Ich stieg die verbleibenden Stufen hoch und beobachtete von oben ein Weilchen, wie noch andere Studenten im Vorbeigehen hie und da ein Brötchen stibitzten, um dann von der kreischenden Hexe verfolgt zu werden. Ich ass mein Brötchen und ging wieder zurück in die Bibliothek.


Fucking Monday

März 10, 2008

Eigentlich fing der Tag ja ganz gut an. Aufstehen um sieben Uhr - daran gewöhnt man sich zwar nie ganz, aber eine Tasse Kaffee hilft über die schlimmsten Phasen morgentlicher Müdigkeit hinweg. Ja, und eigentlich verlief dann auch alles ganz ordentlich, die Marketingvorlesung lehrte mich die durchschnittliche empfohlene Gebrauchsdauer von Matratzen und der Statistik-Dozent glänzte mit einer Vorlesung in Italo-Englisch. Dann um vier Uhr war ich fit und munter um beim Umzug unserer Studentenzeitungsredaktion mitzuhelfen. Der Ford ,Transit von IKEA-Mobility war schnell mit den ersten Überflüssigkeiten aus den baufälligen Räumen gefüllt und nur eine halbe Stunde später waren wir zu zweit auf dem Weg in die nächste Abfallsammelstelle. Auf dem Hinweg nahm das Schicksal dann seinen Lauf und ein kleines rotes Lämpchen begann nervös zu blinken. Brennstoff war alle. Aber keine Panik, sogar mit meinen beschränkten Kenntnisse in Sachen Automobil wusste ich, dass es jetzt noch für ca. 100km reichen sollte. Um 5 Uhr trafen wir in der Abfallsammelstelle ein und schmissen mit einer Freude den ganzen Müll von der Ladefläche auf einen Haufen - insgesamt 440 Kilo. So abgespeckt machten wir uns auf den Rückweg, ohne den leeren Tank zu vergessen. Die Kiste fuhr mit Hybrid, und ausgerechnet mit dem Gas ging es zu Ende. Und leider fährt ein Hybrid auch nur, wenn beide Tanks gefüllt sind. Doppelt gemoppelt, sozusagen. Also mal rasch dem 24h Mobility-Service angerufen und erkundigt, wo die nächste Gastanke steht. Die nette Frau wollte mich zwar zuerst auf Zürich lotsen und als ich ihr erklärte, das ich nicht in Winkeln bei Zürich unterwegs war sondern bei St.Gallen, wollte die gute Dame mir weiss machen, die Ortschaft in der ich unterwegs war, existiere nicht. Da ich aber meiner Existenz und der meiner Umgebung, und damit auch der besagten Ortschaft, ziemlich sicher war, liess ich sie noch einmal suchen und tatsächlich, die Ortschaft gabs nun auch bei ihr. Glücklicherweise war die nächste Zapfsäule gleich um die Ecke. Dort angekommen erfreuten wir uns zuerst an der grün beblätterten Erdgas-Tafel und mit Autohandbuch und Wegleitung machten wir uns ans Werk. Das war schwieriger als angenommen. Nach 10 Minuten do-it-yourself-Handwerk holten wir deshalb eine nette Tankwartin zur Hilfe. Doch auch bei ihr wollte es einfach nicht recht klappen. Lag offensichtlich an der Zapfsäule, denn als wir nach weiteren 10 Minuten rumprobieren an die nächste wechselten , füllte sich der Gastank in nullkommanichts. Doch wie bezahlen wir denn Spass? Weitere 10 Minuten vergehen, bis wir in dem Prospektechaos im Handschuhfach eine Wegleitung von Mobility finden. Ganz einfach, die Tankkarte steckte im Boardcomputer hinter dem Rückspiegel, und sobald man sie rauszieht erscheint auf dem Display des Boardcomputers die PIN-Nr. Cool, aber um die Kiste zu aktivieren, mussten wir den Wagen ein weiteres Mal starten. Weil wir aber schon mit 10 Minuten im Verzug waren mit Wagen zurückbringen und er Laderaum noch voll kleiner und grosser Dinge, wie etwa einem neuen Kühlschrank war, sahen wir uns vor einem kleinen Problem. Ausserdem versüsste uns der Wagen den Moment, und liess ein weiteres rotes Lämpchen blinken - Benzin war nun auch alle. Kein Problem, wir standen schliesslich noch an der Tanke. Benzin oder Diesel? Wo steht denn dass … ja… weitere 10 Minuten streichen ins Land, wir finden nichts. Weder in den Fahrzeugpapieren, noch am Tankdeckel oder auf dem Motor (ja, wir haben sogar die Motorhaube geöffnet. Danke einem beiliegenden Bedienungsanleitung auf französisch erwies sich das auch als ganz leicht. Wenns jemanden interessiert: Kühlerhaube = le capot. Wieder 10 Minuten im Arsch). Auch ein Anruf bei Mobility half nicht weiter. Dafür seien sie nicht zuständig, wir sollen uns an IKEA wenden. Klar, danke das sie mir meine Zeit gestohlen haben. Ein Anruf bei IKEA endete mit einem ähnlich ernüchternden Ergebnis. Die Telefonistin konnte uns bloss sagen, das wir Benzin brauchen - ja, aber welches? Die Gute bat uns zu warten, während sie den Ford-Kundendienst bemühte. Der liess sich wohl zweimal bitten. 10 Minuten später endlich, Gott gab sich einen Ruck und sprach: Bleifrei 95! Oder wars die Telefonistin? Ob Gott wohl in einem Call-Center arbeitet? Egal. Vollgetankt und ein bisschen angenervt ging es dann weiter zu IKEA, um das Auto abzugeben und hoffentlich auch gleich wieder weitermieten zu können. Aber über Nacht und trotz verspäteter Rückgabe, geht das? Der Herr bei IKEA liess uns dann auch wissen, dass wir im Prinzip 250.- zu zahlen hätten, inkl. Busse fürs Überziehen. Wir erklärten ihm, wie es dazu kam und erhielten schliesslich bloss 60.- in Rechnung gestellt, inklusive des gleichen Wagens, dafür bis zum nächsten Morgen 9.00h. Jetzt mal ganz ehrlich: Ihr von IKEA seid die Grössten! Echt toller Kundenservice (und das jetzt mal ganz unironisch).
Der Umzug konnte jetzt richtig losgehen (es war bereits 19:00h, seid Beginn der Umzugsarbeiten sind drei Stunden vergangen, und wir haben gerade mal eine Ladung Müll entsorgt). Dass wir die Umzugskartons in dem ganzen Trubel vergessen hatten und nun die tausenden Einzelteile eben einzeln verladen durften, machte den Tag nicht mehr viel schlimmer. Auch die Tatsache, dass sich während den Fahrten zwischen alter und neuer Redaktion die ganze schöne ungesicherte Ladung zweimal um sich selber drehte, und sich dann beim Öffnen der Türen in einem wundervollen Chaos über den Parkplatz ergoss, liess mich kalt. Heute hatte ich bereits alles gesehen. Auch als dann im neuen Büro zuerst auch gleich die Sicherung durchbrannte und wir wie die Deppen im Dunkeln standen mit dem ganzen Kram, blieb ich kühl. Kühl wie Trockeneis. Beim rausgehen sehe ich, dass der parkierte Wagen zur Hälfte übers Parkfeld hinausragt. Nein: Ich sehe es nicht!
Ja, der Tag war lang, und dass gemeinsame Bierchen zum Schluss war redlich verdient. Morgen Abend wird eingeräumt, sofern die Räumlichkeiten dann wieder erleuchtet sind. Aber morgen ist zum Glück Dienstag. Was kann da schon schief gehen?